Bunker Customs

Türkischer Skateboarder wird zum Motorrad-Tuner

Markantes Design mit klassischem Charakter: Auf dem geschäftigen Markt der Tuning-Werkstätten findet die Marke Bunker Customs aus Istanbul ihren Platz. Bunker wagt sich gerne mal aufs Design-Glatteis und liefert nicht nur bei feinen Retro-Änderungen sondern auch bei Generalüberholungen meisterhafte Arbeit.

Bunker Customs wurde im Jahr 2009 von den Brüdern Mert und Can Uzer aus ihrer Leidenschaft fürs Motorradfahren heraus gegründet. FTR hat im Gespräch mit Can – einem professionellen Skateboarder, der von Marken wie Vans und Emerica gesponsert wurde – über ihre Werkstatt, seinen Hintergrund und die neuesten Entwicklungen in der türkischen Motorradszene gesprochen.

Brothers in customs: Can (links) und Mert

Wie nahm Bunker Customs seinen Anfang?

Ich wollte schon immer ein Motorrad haben. Meine Familie dachte aber, für eine Person wie mich sei das Motorradfahren viel zu gefährlich, also hat man mir den Wunsch nie erfüllt. Mert hingegen durfte sich ein Motorrad kaufen, also beschloss ich, mein eigenes Bike zu bauen. Das war im Jahr 2006, als ich 24 war, da lebte ich nicht mehr mit meiner Familie zusammen. Bei der Montage des erstes Motorrads in meinem Geschäft musste ich ständig zum Industriegelände fahren. Dabei wurde mir klar, dass ich die Grundlagen vom Schweißen, Lackieren etc. erlernen musste, denn ich konnte mich mit den Handwerkern nicht verständigen.

Es erforderte enorm viel Zeit, um die Arbeiten auszuführen. Also beschaffte ich mir nach und nach Werkzeug und brachte es in ein Lagerhaus, das ich zum damaligen Zeitpunkt mit einigen Skateboard-Marken wie Supra-Schuhen, Venture-Trucks und Jart-Skateboards belieferte. Sobald mein Motorrad fertiggestellt war, bauten wir im selben Lagerhaus ein Bike für Mert. Das war 2009; in diesem Jahr merkten wir, wie sehr wir in dieser Arbeit aufgehen. Die Sache kam schnell in Schwung, da alle unsere Freunde schöne Motorräder fahren und an dem ganzen Spaß teilhaben wollten.

Wofür steht euer Designethos?

Da Motorräder kostengünstiger sind und viele kleine Details umfassen, kann man mit der Veränderung eines einzigen Teils eine riesige Wirkung erzielen. Motorräder sind Kunstwerke; dass sie auch ein Transportmittel sind, ist ein Bonus. Autos vermitteln nicht dasselbe Gefühl. Es macht nicht nur Spaß, Motorräder zu konstruieren, sondern man kann mit seinen Freunden auch als richtige Biker-Clique überallhin fahren. Die Designs sind eine Mischung aus meinem Geschmack und dem meines Bruders. Dabei versuchen wir stets, die Anforderungen und Vorlieben unserer Kunden zu berücksichtigen.

Warum orientiert ihr euch für eure Designs an Triumph?

Ich war schon immer ein Fan der Marke und die Inspiration für meine ersten Designs kam von einer Triumph. Triumph steht für ein markantes Design, das sich noch immer von anderen abhebt. Deshalb hab ich 2006 in meiner Werkstatt den 1963 Triumph Bobber gebaut.

Erzähl uns von deiner Leidenschaft für Motorräder.

Wir fahren einfach gern Motorrad und schrauben gern an ihnen herum. Wir haben schon immer versucht, uns international zu behaupten. Viele Leute dachten damals, wir posten willkürlich Garagenfotos, die wir im Internet finden. Unsere Inhalte waren auf Englisch, also dachten viele Leute, wir sind gar nicht aus der Türkei. Viele unserer Kunden finden uns über andere Kundenwerkstätten, die nicht in der Türkei ansässig sind.

Wie sieht die Biker-Community in eurer Heimat aus?

Die Community war ursprünglich recht klein, wächst aber immer weiter. Das liegt vor allem daran, dass die Türkei ernsthafte Verkehrsprobleme zu lösen hat. Die Leute fingen an, mit dem Motorrad zu fahren, und stellten dabei fest, dass es nicht nur das Pendeln erleichtert, sondern cooler und kostengünstiger ist. Ich denke, viel von diesem Hype verdanken wir den sozialen Medien, da coole Motorräder im Internet so immer mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Denkst du, diese Art von maßgeschneiderten Motorrädern werden immer beliebter?

In der Türkei gab es schon immer einen großen Markt für maßangefertigte Autos und Motorräder. Zwischen 2006 und 2009, als ich Leuten davon erzählte, dass ich einen Bobber oder einen Cafe Racer bauen wollte, wussten nicht mal die Motorradschrauber, was sie mit meinem Bike anfangen sollten. Mit den sozialen Medien änderte sich dann alles. Doch wie alles andere in der Türkei brauchte die Entwicklung natürlich ihre Zeit.

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Was reizt dich am Motorradbau am meisten?

Dass Ästhetik und Funktionalität zusammenkommen. Der gesamte Prozess, den man beim Wechsel eines Teils bedenken muss. Man muss Aspekte wie Verschraubungspunkte, Proportionen und das Finish beachten. Wir wollen für jeden Kunden ein perfektes Motorrad konstruieren. Aspekte wie Zweck, Positur, Stil und Tuning definieren wir für unsere Kunden neu.

Erfahren Sie mehr über Bunker

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