Lifestyle: Interview

Lernen Sie D*FACE kennen.

Street Art trifft Street Twin.

Der moderne Stadtkünstler D*Face ist seit mehr als einem Jahrzehnt Pionier in Sachen Straßenkunst und zelebriert Außenseitertum, Anarchie und Individualität. Seine Liebe zur Kunst und zu Motorrädern wurden in seinem neuesten Projekt mit Triumph vereint. Dabei entstanden zwei einzigartige Tanks, um die neue Street Twin gebührend zu feiern. FTR fragt nach, was D*Face antreibt, gibt einen Einblick in seine Kunst und warum er Motorräder liebt.

Ein Roter, ein Blauer. Zwei Tanks mit sehr unterschiedlichen Interpretationen. Zum einen ein von Graffiti inspiriertes, lautes Design, bei dem die Farbe scheinbar sprudelt und über den Rand des Tanks tropft und die Spraydose als Teil des Kunstwerks.

Zum andern ein Tank in Aquablau, das neben dem Schwarz und Silber des Motorrads deutlich hervorsticht, fast glühend und pulsierend. Der phönixartige Vogel an der Seite des Tanks ähnelt der Arbeit aktueller kanadischer First Nation-Künstler wie Nyle Miigizi Johnston. Die weichen Kurven werden von diversen Blitzschlägen getroffen, die aus der Flanke hervorquellen und das Wort Triumph flankieren, welches selbst in einer zerklüfteten, elektrifizierten Schrift neu interpretiert wird.

F: Was bedeutet Kunst für Sie?

A: Kunst sollte dir das Gefühl von etwas vermitteln, das du selbst versuchst darzustellen. Ich mag es, Ideen visuell umzusetzen – eine Geschichte so grafisch und visuell wie möglich zu erzählen. Ich denke, das geht zurück auf die Zeit, als ich ein Kind war und Graffiti in Zügen oder an der Seite von Gleisen sah.

Das machte großen Eindruck auf mich und war wirklich atemberaubend – es war so aufregend. Genauso verhält es sich mit Skate-Grafiken. Als ich als Kind das Thrasher-Magazin durchblätterte und diese verrückten Grafiken von Jim Philips und Vernon Courtlandt Johnson sah, hat es mich umgehauen. Damals hatte ich keine Ahnung, wer diese Leute sind.

Die Graffitis und Skate-Grafiken, die ich sah, sprachen mich wirklich in einer Sprache an, die ich verstand.

Ich dachte sogar, dass die Skater ihre eigenen Grafiken entwerfen! Ich habe viel Zeit damit verbracht, ein Profi-Skater zu werden, damit ich meine eigenen Skate-Grafiken erstellen konnte. Erst viel später wurde mir klar, dass es professionelle Grafiker gibt, die dafür bezahlt werden. Es sind diese Dinge, die meine Kunst und meine Vorstellung davon, was Kunst sein sollte, geprägt haben.

Als Kind und Teenager hatte ich das Gefühl, dass es mir nichts brachte, in Galerien zu gehen. Meine Mutter nahm mich mit in die großen Museen und ich sah dort Kunst, die beeindruckend war, aber nicht mit einer Stimme zu mir sprach, die für mich relevant war.

Die Graffiti und Skate-Grafiken allerdings, sprachen mich wirklich an – in einer Sprache, die ich verstand und die mich begeisterte. Private freie Galerien hielt ich für exklusiv und ich hatte das Gefühl, dass ich dort nicht hineingehen durfte. Aus diesem Grund habe ich immer im öffentlichen Bereich gearbeitet. Ich möchte, dass alle Menschen in das einbezogen werden, was ich versuche umzusetzen.

F: Hat Ihre Arbeit eine bestimmte Botschaft?

A: Hinter 90 % meiner Werke steckt eine Hintergrundgeschichte. Eine Emotion oder ein Gefühl, das ich persönlich empfinde. Ich kann diese sehr leicht erklären, aber für mich ist es viel interessanter, wenn die Leute einfach damit alleine gelassen werden, um sie selbst eine Definition finden zu lassen, was diese Geschichte für sie bedeutet.

Wenn Leute fragen: „Was bedeutet das?“, habe ich ihnen noch nie direkt eine Erklärung gegeben. Ich gebe ihnen lediglich einen Hinweis, worauf es anspielen könnte. Wenn sie mir sagen, worum es ihrer Meinung nach geht, sind ihre Geschichten viel besser als meine!

Manchmal ist es unglaublich und ich bin so glücklich, dass ich nicht gesagt habe, was meine Gedankengänge waren. Im öffentlichen Bereich hat man es mit Menschen aus allen Lebensbereichen zu tun. Alter, Rasse und Geschlecht sind völlig irrelevant, was das, was ich tun darf, so wunderbar macht. Ich darf eine sehr laute Stimme haben und sie auf sehr offene Art und Weise nutzen.

Es gibt viele Menschen, die sich der Kunst nicht bewusst sind. Die meiste Zeit denken die Leute, dass alles, was im öffentlichen Bereich passiert, eine Werbung sein muss. Wenn sie mit etwas Anderem konfrontiert werden, stutzen sie. Sie können es nicht glauben, dass jemand einfach so etwas auf die Straße malt, anstatt zu versuchen, ihnen etwas zu verkaufen.

F: Was ist für Sie der Reiz am Motorradfahren?

A: Die Möglichkeit, ein Motorrad zu fahren und diese Freiheit zu erleben, von allem und jedem wegzukommen und allein zu sein, ist unglaublich erfrischend.

Ich genieße diesen Teil des Motorradfahrens sehr. Kein Telefon, das klingelt und niemand, der mich mit seinen Anrufen stört. Ich bin ganz in meiner eigenen Welt, fahre mit dem Motorrad durch die Stadt und muss mich nur darauf konzentrieren, es aufrecht zu halten. Es ist ein unvergleichlicher Nervenkitzel und wahnsinnig aufregend. Wenn du fährst, bist du ein Außenseiter – was die Wahl des Transportmittels betrifft.

Ich habe Motorräder immer als skulpturale Werke gesehen.

Ich habe ein Motorrad, seit ich 16 war. Seitdem hat sich sehr viel verändert. Als ich anfing, gab es nur wenige Orte, abgesehen von den Motorradhändlern, zu denen man fahren konnte. Wir hatten das Ace Café, aber das war’s dann auch schon.

Ich habe alle Arten von Motorrädern – von der Vergangenheit bis zur Gegenwart – besessen. Was mich zu den klassischen Motorrädern brachte, war, dass ich fast meinen Führerschein durch ein Sportmotorrad verloren hätte. Ich habe alle meine Sportmotorräder verkauft, aber ich habe das Fahren wirklich sehr vermisst, also habe ich nach einem klassischen Motorrad gesucht.

Ich fing an, mir abends ein Motorrad nach dem anderen anzuschauen. Es erlaubte mir, als Künstler meine Gedanken schweifen zu lassen. Das ist jetzt etwa acht Jahre her. Ich habe Motorräder immer als Skulpturen gesehen, aber ich habe nie daran gedacht, dass meine individuell angefertigten Bikes eigentlich ein Stück meiner Kunst sind. Zuerst baute ich zwei Motorräder in meiner Garage und anschließend eröffnete ich die Rebels Alliance. Eine Mischung aus Motorradgeschäft, Café und Kleidungslinie, die plötzlich nicht mehr zu bremsen waren.

F: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Triumph?

A: Triumph nahm Kontakt mit mir auf. Triumph ist eine Marke, die mir schon immer bekannt war, mein Vater war ein großer Triumph-Fan. Von ihnen kontaktiert zu werden, um ein Projekt zu machen, war eine große Ehre. Ich war ein großer Steve McQueen Fan. Zu sehen, wie sie die Marke neu erfunden haben und so weit gekommen sind, ist unglaublich. Ich bin ein britischer Künstler und Triumph ist eine britische Marke, das ergibt also durchaus Sinn.

Bei Projekten beginne ich damit, ihnen Optionen für das Artwork zu schicken, und sie geben dann einfach ihr OK, woraufhin ich weitermache und mir völlige Freiheit gewährt wird. Wenn es um Motorräder geht, bin ich – wie man sieht – mit voller Leidenschaft dabei. Ich würde gerne mehr machen.

F: Glauben Sie, dass sich die Motorradkultur verändert hat?

A: Als Rebels Alliance sind wir auf der Bike Shed Messe, Malle Mile und Dirt Quake und ich denke, diese Shows spiegeln sehr gut wider, was in der britischen Motorradkultur vor sich geht. Es geht um so viel mehr als nur die Motorräder. Das klingt vielleicht klischeehaft, aber es geht um den Lifestyle, die Kleidung, die du trägst und die soziale Szene. Ich denke, das ist genau das, was die Motorradkultur schon lange nötig hatte.

Wir haben die Motorräder nicht nur gebaut – wir fahren sie auch und fahren sogar Rennen damit. Wir versuchen, das Ganze so ehrlich wie möglich zu präsentieren – als eine Sache, die uns am Herzen liegt. Ähnlich wie in der Skater-Szene würde man sich nie wie ein Skater kleiden und dann nicht skaten – man würde darauf angesprochen werden. Rebels Alliance ist eine Motorradmarke, deshalb bauen und fahren wir Motorräder. Ich fahre so ziemlich jeden Tag Motorrad und möchte es wahrhaftig und ehrlich repräsentieren und nicht künstlich.

F: Wie geht man die Lackierung eines Motorradtanks an?

A: Bei einem Wandbild geht es um die Umgebung, in der es sich befindet und wie die Öffentlichkeit es sieht. Außerdem werden die Menschen damit leben, ohne dass ich dabei bin. Ich muss mir überlegen, was ich malen will und ob es angebracht ist oder nicht.

Die Form des Tanks gibt sehr gut Aufschluss darüber, was man tun kann. Es ist eine seltsame Mischung aus Skulptur und Malerei – aber es ist doch etwas anderes als diese beiden Disziplinen.

Wie es in Bewegung und im Stillstand aussieht, sind zwei weitere Überlegungen, die man anstellen muss, wenn man ein Fahrzeug lackiert. Ich liebe das. Es geht alles auf die Graffiti-Kunst zurück. Es als Bild zu sehen, wenn man vorbeifährt, oder es statisch an einem Bahnhof zu sehen, sind zwei völlig verschiedene Erfahrungen.

Die Lackierung des Tanks im Stillstand zu sehen und sie zu sehen, wenn man die Straße entlangfährt, löst sehr unterschiedliche Gefühle aus. Ich mag es, die Tanks, die ich lackiere, an Motorrädern zu sehen, die regelmäßig gefahren werden. Es gefällt mir sogar besonders, wenn sie bereits seit einem Jahr oder auch nur seit ein paar Monaten gefahren wurden, weil sie dann anfangen, ein eigenes Leben zu haben.

F: Was kommt als nächstes?

A: Dies war mein zweites Projekt, das ich mit Triumph gemacht habe und ich hoffe sehr, dass es ein drittes geben wird. Ich wäre gerne mehr involviert und würde gerne vielleicht sogar mal einen kompletten Rahmen lackieren. Ich liebe die Marke. Als Rebels Alliance arbeiten wir zur Zeit an einem Triumph-Modell für den Privatgebrauch.

Was andere Projekte betrifft, so bin ich im Dezember in Tai Pei für eine Ausstellung unterwegs. Es gibt ein wirklich cooles Auktionsprojekt mit Sothebys und Movember. Ich arbeite auch an einer neuen Arbeit für eine Show, möglicherweise in Hongkong später im nächsten Jahr.