Inspiration: Big Trip

Zu zweit auf einer Tiger um die Welt

Ein Trip durch Südamerika und die ultimative Bewährungsprobe

Die erste Etappe ihrer Reise war ein einziger Kampf mit Schneeverwehungen. Nicki Hanke und ihr Freund Moe Hoffmann dachten mehr als einmal ans Aufgeben.

„Auf dem Weg von Zuhause in Deutschland zum Hafen von Antwerpen fragten wir uns angesichts des Wetters immer wieder ‚Was machen wir hier eigentlich?‘“, sagen beide nahezu unisono. Doch sie haben durchgehalten, gingen an Bord des Frachters und fanden sich eine Atlantiküberquerung später mit ihrer 1999er Tiger in Uruguay wieder, das sie mit tropischer Hitze, Palmen und den Rhythmen von Tango und Samba willkommen hieß.

Das ist mittlerweile 18 Monate her und beide sind froh, dass sie ihrem Traum gefolgt sind. Dieser führte sie auf eine lange Reise ohne jede Hektik und ohne festes Enddatum, mit unbegrenzten Mitteln und der strikten Vorgabe, ausschließlich per Schiff von einem Kontinent zum anderen zu reisen.

Eine Art Arbeitsurlaub

Unbegrenzte Mittel, unendliche Reise? Es klingt zu schön, um wahr zu sein. Wie kann es also sein, dass ein junges Paar – Moe ist 30, Nicki 28 – es geschafft hat, die Heimatstadt Frankfurt gegen das Wüstenhochland der Atacama in Chile einzutauschen, ohne dafür das Ersparte opfern zu müssen? „Ich habe mich als Webdesigner selbstständig gemacht und mir zusammen mit Nicki einen Kundenkreis aufgebaut“, erklärt Moe, „und wir haben unterwegs einfach weitergearbeitet. So einfach ist das. Außerdem ist das Leben in Südamerika nicht besonders kostspielig.“

Für ein solches Vorhaben muss man erst einmal den nötigen Mut aufbringen – besonders, wenn man mit dem Partner auf einem Motorrad unterwegs ist. Risiken einzugehen machte unter anderem den Reiz des Abenteuers aus, als sich die beiden, die sich selbst als „merkwürdiges Paar“ bezeichnen, entschieden, fremde Länder und Kulturen zu erkunden. Die Inspiration dazu gab ihnen der gebürtige Deutsche Ted Simon, der mit seiner Triumph Tiger 100 um die Welt reiste.

Nicki scherzt: „Uns war klar, dass dies die ultimative Bewährungsprobe für uns als Paar sein würde. Die Welt zu umrunden ist bereits eine große Herausforderung, dies aber als Sozius deines Partners auf dem Motorrad zu tun, stellt die Beziehung auf eine harte Probe. Wir sind abwechselnd gefahren und hatten auch einige Meinungsverschiedenheiten, aber wenn etwas passiert, versuchen wir, das Problem zu lösen, und das schweißt uns eher zusammen, als uns wütend zu machen.“

Vom Dschungel in den Schnee und zurück in 40 Grad Gluthitze

Nachdem Nicki nach vielen Tagen auf See im Schnee und dem Anlegen in Vitoria in Brasilien erste Eindrücke von ‚üppigem Grün und frischen Früchten an jeder Ecke‘ gesammelt hatte, machte sich das Paar auf in Richtung Süden nach Feuerland, dem Mekka der Motorradfahrer in Argentinien. Unterwegs dorthin versuchten ganz andere Wetterextreme, sie zur Rückkehr zu zwingen.

„40 Grad Hitze und starke Winde machten uns auf der Fahrt entlang der Ostküste durch Uruguay nach Feuerland und zur Südspitze Südamerikas das Leben schwer. Doch die Tiger nahm es mit beiden Extremen gleichermaßen gelassen auf und zeigte sich unbeeindruckt von der Hitze. Selbst der Wind bereitete dem Bike aufgrund seines Gewichts und der Tatsache, dass wir zu zweit unterwegs waren, keine Probleme“, erzählt Nicki. „Dank dieses zuverlässigen Bikes konnten wir den Anblick der meist nur von Pinguinen und Seelöwen bevölkerten Strände unbeschwert genießen.“

Patagonische Herzlichkeit

Moe hat die einzigartige Schönheit der Berge Patagoniens schier umgehauen: „Nie habe ich etwas Vergleichbares gesehen“. Zu den lebhaftesten Erinnerungen und Höhepunkten gehörten die „superfreundlichen“ Menschen Argentiniens: „Bei jedem Halt luden sie uns zu sich nach Hause ein, baten uns einen Platz an ihrem Grill an oder wollten wissen, ob wir Hilfe brauchten.“

Für Sozius Nicki waren die schiere Größe und die atemberaubenden Terracotta-, Blau- und Grüntöne der Atacama-Wüste am Dreiländereck von Bolivien, Chile und Argentinien bislang der Höhepunkt ihrer monumentalen Reise: „Das Wüstenhochland dort führt über Sandpfade zwischen unglaublichen Felsformationen hindurch, die in endlosen Horizonten enden.

„Die Lagunas-Route dorthin ist eine unbefestigte Straße durch das südwestliche Seengebiet Boliviens, die in Richtung der Anden am Salar de Uyuni, der größten Salzpfanne der Erde, vorbeiführt. All das wird mir für immer in Erinnerung bleiben. Man hat den Eindruck, die Landschaft sei von einem anderen Planeten auf die Erde verpflanzt worden.“

Überfahrt von Süd- nach Nordamerika

Die zeitlich unbegrenzte Reise führt die beiden – vielleicht über weitere zwei oder drei Jahre – zunächst per Schiff in Richtung Norden nach Kuba und dann weiter nach Kanada, wo dann schließlich die schwierige Frage der Überfahrt nach Asien mit den Zielen Korea und eventuell Russland zu klären ist.

Dort wird das Paar dann jeweils auf einem eigenen Bike unterwegs sein, denn ihr Trip hat die Fantasie des Teams von Triumph Deutschland derart befeuert, dass es den beiden für die restliche Strecke eine Tiger 800 XRX Low leihweise zur Verfügung stellen wird.

Nicki hierzu: „Das wird die Dynamik zwischen uns sehr verändern, denn bislang waren wir zwei Personen, die sich wie eine verhalten haben. Die Tour war eine Bewährungsprobe für unsere Beziehung und es gab unangenehme Momenten, aus denen wir aber gestärkt herausgekommen sind, nachdem wir jede Herausforderung gemeistert haben. Mit zwei Motorrädern werden wir ein bisschen mehr Freiheit und noch mehr Spaß haben.“

Gedanken über die Heimat

Die 18-monatige Abwesenheit von zu Hause und die veränderte Fahrsituation erlauben es dem Paar, eine Bestandsaufnahme der Dinge zu machen, die im Leben wirklich wichtig sind. Für Nicki besteht kein Zweifel: „Ich habe gelernt, dass man nicht viel braucht, um glücklich zu sein. Wir sind sehr minimalistisch geworden, weil wir nur das haben, was wir transportieren können. Daher können wir nur Dinge mitnehmen, die wir wirklich brauchen.“

Moe meint dazu: „Ich habe gelernt, dass es immer eine Lösung gibt, egal was passiert, und du immer jemanden findest, der dir hilft. Mir ist auch klar geworden, dass es keinen besseren Begleiter auf einer Tour wie dieser gibt als die Tiger… aber das verraten Sie Nicki besser nicht.“

Sie möchten das Abenteuer von Nicki und Moe nachverfolgen?

Besuchen Sie die Website „Moppedhiker“ der beiden, die sich übrigens auch fürs Wandern begeistern. Regelmäßige Updates zu ihrer Reise finden Sie auf https://www.moppedhiker.de/en/