Inspiration: Festival

A Triumph 3/4 helmet with goggles in Creativ Garage in Paris

Werkstatt: Creativ Garage

Custom-Werkstatt in Paris

Solange sich Dorian Gabriel zurückerinnern kann, hat er sich auf Rädern fortbewegt. Wenn er vom Pariser Stadtviertel Montmartre, von wo er stammt und wo er von den Künstlern das Malen erlernte, auf Rollschuhen nach Montparnasse fuhr oder wenn er im Urlaub in Italien mit der Vespa unterwegs war.

Mit der vor fünf Jahren gegründeten Marke Creativ Garage hat es Dorian geschafft, sein Hobby – das Customizing von Motorrädern – zu seinem Beruf zu machen. Wir werfen einen Blick auf die Anfänge der Pariser Werkstatt, die mit viel Herz, Vielseitigkeit und eindrucksvollem handwerklichen Können zu Werke geht.

Fotos: Gilles Uzan

Wie hast du angefangen?

Mir hat das Umbauen meiner Motorräder schon immer Spaß gemacht. Das Customizing von Bikes war gerade ein neuer Trend. Damals hat man hauptsächlich Bonneville-Modelle umgebaut. Ich habe immer von einem solchen Projekt geträumt, aber die Bonneville war für mich unerschwinglich. Kurz zuvor war ich auf die Speed Triple gestoßen und wollte aus Spaß damit herumexperimentieren. Später bat mich dann ATS, einen Heckumbau auf Basis meines eigenen Bikes für sie zu bauen.

Dabei handelte es sich noch mehr oder weniger um eine Einzelanfertigung für mein Bike. Damals hatte ich die Idee, ein montagefertiges, professionelles Produkt zu entwickeln. Einen ganzen Monat habe ich mit der Entwicklung verbracht und das Projekt wurde tatsächlich zum Erfolg. Daraufhin trieb ich die Entwicklung weiter voran, begann mit Custom-Produkte wie Sitzen und hatte schließlich ein ganzes Kit zusammen. Ich produzierte jeweils nur eine sehr geringe Stückzahl, höchstens ein Dutzend, und suchte mir dann ein neues Projekt.

Wie gehst du bei deiner Arbeit vor?

Jedes neue Produkt, das ich entwickelte, sollte Ausdruck von handwerklichem Können und gleichzeitig so universell sein, dass es zu jeder Maschine passt. Ich gab meiner Werkstatt den Namen l’Atelier Mecanographique in Anspielung an das Konstruktionsprinzip und meinen ersten Beruf als Grafikdesigner.

Was inspiriert dich?

Was die Optik angeht, lasse ich mich von Superhelden-Comics, japanischem Anime der 80er Jahre und alten Büchern inspirieren. Sie alle sind durch die gleichen grafischen Linien geprägt. Genau die versuche ich auf die Motorräder zu übertragen. Das Motorrad ist wie ein Medium, eine Sprache, ein Lebensgefühl.

Wer sind deine Kunden?

Wir sprechen Menschen an, die genau wie ich Spaß haben möchten. Heute muss ich nichts mehr überkompensieren, was ich mir in jüngeren Jahren nicht leisten konnte. Heute kann ich mir etwas gönnen. Creativ Garage legt besonderen Wert auf die Verpackung, weil wir wollen, dass sich die Kunden beim Auspacken eines Produkts an das Öffnen der Geschenke unterm Weihnachtsbaum erinnern. Heute ist Individualismus ein wichtiger Trend. Es ist völlig normal, dass man sich auch mit 40 noch ein Skateboard oder ferngesteuertes Auto kauft. Es geht uns wie dem Protagonisten aus Prousts Roman Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, den der Geschmack einer in Tee getauchten Madeleine auf intensive Weise an den Ort seiner Kindheit erinnert und ihm so vergangene Erlebnisse wieder vergegenwärtigt.

Unsere Kunden sind ganz verschieden. Manche bestellen übers Internet, andere wünschen sich eine Custom-Anfertigung von uns. Wieder andere mögen einfach unsere Attitüde und kommen mit einem bestimmten Budget oder Projekt zu uns.

Hast du immer noch Spaß an Motorrädern als Hobby?

Motorradfahren ist wie eine Droge. Ich kann nicht erklären, warum ich den Drang habe, auf einer Tour Tausende von Kilometern abzuspulen, so wie ich es letzten Sommer in Griechenland getan habe. Das ist meine persönliche Vorstellung von Motorradfahrspaß, die ich aber mit anderen Fahrern teile.

Ich habe kürzlich an einem Kurs für Mechaniker teilgenommen, um möglichst alles über Motoren zu lernen. Für mein neuestes Projekt möchte ich einen Motor komplett zerlegen, rund 20 Prozent der Originalteile behalten und den Rest dann selbst neu bauen.

Sieht so die Zukunft von Creativ Garage aus?

Nein, ich möchte weiterhin Customizing-Produkte für die optische Individualisierung entwickeln. Deshalb möchte ich mich auf moderne Motorräder in Retro-Optik konzentrieren, die auch die nötige Zuverlässigkeit bieten. Bei den Umbauten vieler Kunden von älteren Modellen habe ich miterlebt, dass bei Fertigstellung mechanische Probleme auftraten, sodass sie damit gar nicht fahren konnten. Ich würde nur ältere Modelle umbauen, die ich selbst gekauft habe.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Schon seit meinen Anfängen begeistert mich die Arbeit von Deus Ex Machina. Ihnen ist es gelungen, unter ihren Kunden eine echte Anhängerschaft zu schaffen, und die Welt des Surfens mit der der Motorräder zu verbinden. An Samstagnachmittagen lade ich Fans moderner Retro-Bikes aus der Nähe zu Events ein, bei denen ich live an Custom-Aufträgen arbeite. Zusätzlich veranstalte ich Motorradausstellungen und Essen. Ich glaube, dass es eine enge Verbindung zwischen Werkstatt und Küche gibt, was den Jargon und die Vorgehensweise betrifft. Zudem haben Menschen, die schöne Dinge schätzen, häufig auch Freude an gutem Essen.