Inspiration: Interview

Was ist „Scrambling“?

Das goldene Zeitalter und die „Triumph Verbindung“

Scrambling liegt Triumph in den Genen. In den 1960ern eroberten Maschinen mit Triumph-Motoren in Großbritannien und Europa die Rennstrecken und errangen zahlreiche Trophäen.

FTR sprach mit dem Scrambling-Kommentator und ehemaligem Fahrer Richard Winn über Scrambling und wollte wissen, warum dieser Sport so populär war und was er für Enthusiasten bedeutet.

„In den 1960ern war Scrambling in Großbritannien sehr beliebt. Sogar in der samstagnachmittags ausgestrahlten BBC-Sportsendung Grandstand wurde darüber berichtet. Damals gab es nur drei Fernsehsender und ich gehörte zu den drei Millionen Zuschauern, die den Fahrern begeistert zusahen. Die BBC brauchte damals eine Sportart, über die sie anstatt der Pferderennen im Winter berichten konnte. Die Fahrer, die jedes Wochenende in der klirrenden Kälte zu den Rennen antraten, waren unsere Helden.“

In den späten 1950ern fuhr der Rennfahrer Bryan Sharp beim Somerset Grand National eine weitgehend serienmäßig ausgestattete Triumph

Schon Winns Eltern fuhren beide Motorrad, daher lag seine Vorliebe fürs Scrambling nahe: „Ich wuchs in diesem Umfeld auf und war schon immer davon fasziniert. Nur ein paar Kilometer von unserem Wohnort entfernt gab es eine Motocross-Strecke. Schon mit sechs konnte ich mir die großen Stars aus dem Fernsehen in Bassenthwaite im Lake District live ansehen. Seitdem hat der Sport mich nicht mehr losgelassen.“

Winn fuhr anfangs nur Straßenmotorräder und träumte davon, klassisches Scrambling einmal selbst auszuprobieren: „Ich war schon immer wie besessen davon, deshalb wollte ich auch selbst mitmischen.“

Rob J Raffle 1966 in Oxford auf einer Custom-Triumph

Was macht Scrambling aus?

„Scrambling ist eine Outdoor-Sportart, bei der hauptsächlich auf natürlichen Strecken und Wegen gefahren wird. Im Laufe der Zeit hat sich daraus das Motocross entwickelt, die französische Bezeichnung für das Motorradfahren im Gelände. In den USA spricht man sogar von Supercross. Die Sportart wurde 1924 in Camberley in England erfunden. In ihrer reinsten Ausprägung unterschieden sich die Bikes etwas von den damaligen Straßenmotorrädern und besaßen eine Aufhängung mit einem etwas längeren Federweg. Der Sport erforderte schon immer ein hohes Maß an Können und war mit den älteren Bikes, die nicht gezielt dafür gebaut waren, eine echte Herausforderung.“

Don Rickman auf seiner Métisse mit Triumph-Motor nach seinem Sieg beim GP 1966

„Die Bikes mit Triumph-Motor beherrschten die Strecke“

„Die 1960er gelten als das goldene Zeitalter des Scrambling,“ erklärt Winn. „Die Brüder Don und Derek Rickman waren Motorradrennfahrer und sehr talentierte Mechaniker. In den späten 1950ern begannen sie, eigene Maschinen zu bauen, die sie mit T100-Motoren von Triumph ausrüsteten. Diese erwiesen sich als äußerst schnell.“

Beide Brüder traten in Rennen an und gewannen zwischen 1959 und 1966 fünf Titel beim Motocross des Nations.

„1961 fuhr Steve McQueen die mit Triumph-Motor ausgestattete Mk3 Métisse. Das war ein sehr dominantes Bike“, erklärt Winn. „Das Unternehmen Rickman Brothers baute damals eigene Rahmen mit einem Bodywork aus Glasfaser und Motoren von Triumph. Das waren wunderschöne Maschinen. Die größte Veranstaltung im Scrambling-Rennkalender 1964 war das „Motocross des Nations“. Dabei traten mehr als die Hälfte aller Teilnehmer auf den mit Triumph-Motoren ausgestatteten Métisse-Maschinen an.“

In den 1950er und 60er Jahren war es nicht ungewöhnlich, dass Fahrer mit ihren Bikes zum Rennen fuhren, die Kennzeichen abnahmen, dann das Rennen bestritten, anschließend die Kennzeichen wieder anschraubten und mit der Maschine nach Hause fuhren. In vielerlei Hinsicht ist das genau der Spirit, den auch die neue Scrambler 1200 von Triumph verkörpert. Mit ihrer herausragenden Leistungsfähigkeit im Gelände und ihrem hohen Komfort auf der Straße lebt der Scrambler-Spirit weiter (obgleich das Motorrad heute sehr viel mehr Leistung entfaltet als zu jenen Tagen).

„Für mich gehören zum Scrambling der klassische Look dieser alten Bikes, Naturrennstrecken und Motorräder mit Seriencharakter“, so Winn. „Triumph blickt in dieser Sportart auf eine lange Geschichte zurück.“

Vielen Dank an Richard Winn für das Interview und an Eric Miles und Ron Custard für die Fotos sowie an den Cumbria Classic Motocross Club für die Kontaktvermittlung.