Inspiration: Interview

Triumph auf Tournee mit „The Stranglers“

Zwei britische Legenden auf Tournee

Bis heute widerlegen die Stranglers das Mantra ihres eigenen Songs No More Heroes, denn noch immer spielen sie weltweit vor ausverkauften Hallen. Dabei steht die Band mit beiden Füßen (bzw. Rädern) fest auf dem Boden, denn wo sie sind, ist auch die ein oder andere Triumph nicht fern.

Anlässlich ihrer Europa-Tournee traf der international renommierte Motorradjournalist Simon Hargreaves zwei der Rocklegenden der Band, Bassist Jean-Jacques Burnel und Sänger Baz Warne, die man zwischen den Auftritten häufig auf einer Tiger Explorer antrifft.

Frisch zurück von Auftritten in den USA, erwarten die Band 2019 sieben aufeinanderfolgende Konzerte mit Alice Cooper im Vereinigten Königreich, gefolgt von drei Gigs in Tokio im November, bevor es dann vor Ende des Jahres für 14 Shows nach Europa zurückgeht.

Die letzten Worte auf ihrer Website lauten „wir sehen uns ‘on the road‘ bzw. auf Tour“. Und das ist wörtlich zu nehmen.

Wer Millionen von Alben verkauft hat, kann sich jedes Motorrad leisten. Oder gleich drei, wer will. Besonders, wenn es sich bei allen um Bikes von Triumph handelt. Stran2 „Außer meiner Explorer habe ich noch eine Sprint RS aus den späten 1990ern, an der ich besonders hänge, und eine Scrambler“, erklärt Jean-Jacques und lehnt sich im Vorhof einer belgischen Tankstelle mit seiner imposanten Länge von über 1,80 m lässig gegen den Rahmen einer Triumph Tiger.

JJ ist Bassist und Gründungsmitglied der Stranglers und zudem ein Meister des Karate. Ihm eilt der Ruf voraus, nicht unbedingt zimperlich auf dumme Fragen von Journalisten zu reagieren. Zugleich gibt er sich höflich, weltoffen und nachdenklich – und wenn es darum geht, seine tiefe und langjährige Leidenschaft für Triumph zu beschreiben, nimmt man ihn beim Wort.

Die Stranglers wurden noch vor der Punk-Ära im Jahr 1974 gegründet und galten als kämpferisch und häufig kontrovers. Durch jahrelanges Touren perfektionierten sie damals ihren charakteristischen Sound. Im Zeitraum zwischen 1977 and 1978 brachten sie drei Album-Klassiker in Folge heraus – Rattus Norvegicus, No More Heroes und Black And White – das eine ganze Reihe von Hits wie Peaches, No More Heroes, Nice n’ Sleazy und Burning Up Time enthielt.Stran3. (Hören Sie sich hier die Titel auf der Spotify-Playlist von FTR an.)

„Wir waren plötzlich über Nacht erfolgreich, dabei haben wir vier Jahre dafür gearbeitet“, erklärt JJ lächelnd. „Das Erste, was ich mir von meinen Tantiemenscheck gekauft habe, war eine Triumph. Mit dem zweiten Scheck habe ich ein Haus gekauft und damit meine Prioritäten richtig gesetzt.

Das Bike war eine T160 Trident Cardinal und löste eine Liebesbeziehung zu Triumph aus, die bis heute fortbesteht, durch schlechte Zeiten (der Kollaps der britischen Motorradindustrie in den 1980ern) und gute Zeiten (die Wiedergeburt der „Hinckley“ Triumphs).

Eine Bonneville schaffte es gar auf das erste Solo-Album von JJ aus dem Jahr 1979. Der Titel hieß Triumph (Of The Good City) – ein Wortspiel mit der englischen Übersetzung des Namens Bonneville. Der Sound des Paralleltwins im Leerlauf bildet die Rhythmusgrundlage des Songs.

„Ich musste das Bike warmlaufen lassen, bevor ich es ins Studio bringen und den Sound aufnehmen konnte“, erzählt er lachend. „Sonst wäre es abgesoffen.“ Und dann kamen die „Hinckley“-Triumphs. „Was John Bloor gemacht hat, fand ich aufregend“, sagt JJ.

„Ich hatte mich mit Steve Lilley, dem Triumph-Händler in West-London, angefreundet und er hat mich 1997 auf eine Thunderbird mit Dreizylindermotor gesetzt. Das war ein atemberaubendes Bike und fühlte sich wie eine natürliche Weiterentwicklung der Paralleltwins an.“

Kurz darauf folgte die Sprint RS, mit der JJ durch ganz Europa unterwegs war. Dann kam die Scrambler, die wiederum zur Tiger Explorer führte, die er zurzeit fährt. „Das Bike passt perfekt zu mir“, sagt er. „Mir gefällt ihre Kraft und Performance. Ich fahre nicht besonders schnell, bin aber auch niemand, der nur herumbummelt.“

Und als wolle er dies unter Beweis stellen, braust JJ auf dem Bike dem Verkehr in Brüssel davon.

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Zwischenzeitlich ist die andere Hälfte der Stranglers, Gitarrist und Frontmann Baz Warne, zu uns gestoßen, der ebenfalls eine Triumph fährt. Baz, der mit seinem rasierten Schädel und der Sonnenbrille eine nicht weniger imposante Erscheinung als JJ ist, spielt seit 15 Jahren in der Band und fährt seit acht Jahren Motorrad.

„Im Vergleich zu JJ bin ich aber noch ein Neuling“, so Baz. „Mit Mitte 20 bin ich Profi-Musiker geworden und mein Leben bestand neben Essen und Schlafen ausschließlich aus Musikmachen. Ich hatte einfach keine Zeit für andere Dinge. Mitte der 90er Jahre habe ich die Stranglers getroffen. Im Jahr 2000 haben sie mich zum Vorspielen eingeladen und so bin ich zur Band gestoßen.“

Woher stammt Baz‘ Vorliebe für Triumph?Stran4

„Er besaß eine noch bevor er den Motorradführerschein hatte“, witzelt JJ und meint damit die Triumph Scrambler, die sich Baz 2007 kaufte. „Wie cool ist das? Er war also praktisch gezwungen, die Prüfung zu bestehen.

„Ich kann kaum glauben, dass es so lange gedauert hat, bis ich mich für das Motorradfahren begeistert habe“, erklärt Baz. „Und ich lerne immer noch dazu – ich sehe anderen gerne beim Fahren zu, sehe mir an, was sie machen und wie sie die Füße bewegen und solche Dinge. Und jetzt kann ich das Motorradfahren mit meinen Kumpels und mit der Band genießen. Mir ist aber klar, dass ich im Vergleich zu den anderen noch ein Neuling bin.“ „Ich liebe die Ruhe, die einen umgibt, wenn man den Helm aufsetzt“, fügt er hinzu. „Ich besitze eine große, leistungsstarke und komfortable Touringmaschine und habe eine tolle Freundin, die das Motorradfahren liebt. Wir haben Satteltaschen und eine komplette Ausrüstung und können uns jederzeit aufs Bike schwingen und losfahren.

Für mich ist es ein Stück Nostalgie für eine Marke, mit der ich mich tief verbunden fühle.

Baz Warne

Was ist das Besondere an den Bikes von Triumph? Warum bleibt man ihnen so lange treu?

„Es sind mehrere Dinge“, erklärt JJ. „Für mich ist es ein Stück Nostalgie für eine Marke, mit der ich mich tief verbunden fühle. Es geht auch um die britische Marke – natürlich ist Nostalgie unangebracht, wenn sie sich auf etwas bezieht, das nichts taugt, aber die Bikes von Triumph sind einfach etwas Besonderes.Stran6

„Und mir imponiert die Geschichte des Unternehmens und ich habe Respekt vor den Menschen, die zu seiner Entwicklung beigetragen haben. Es ist ein Vorbild für andere britische Hersteller. Es gab eine Zeit, da gehörten britische Produkte zu den besten der Welt. Später hat man aus lauter Selbstgefälligkeit und durch mangelnden Investitionswillen all dies zerstört. Die Briten haben das Talent, sich selbst herabzuwürdigen, und von Amerikanern werde ich häufig gefragt, warum wir uns selbst kleinmachen.

Daher sollten wir stolz darauf sein, was Triumph geleistet hat.“ Baz stimmt zu: „Es ist eine britische Erfolgsgeschichte. In meinem Leben als Motorradfahrer habe ich bislang insgesamt sechs Bikes gefahren und drei besessen und alles waren Motorräder von Triumph: eine Scrambler, eine Tiger 800 und nun die Explorer.“

Der Auftritt ist atemberaubend. Die Stranglers haben nichts von ihrer elektrisierenden Bühnenpräsenz verloren. Die Wucht von JJs Bass lässt die alten Gemäuer von Verviers erbeben und der Gesang und die Gitarre von Baz werden den alten und neuen Songs gleichermaßen gerecht.

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Abgerundet wird der Sound der Band von den schnellen gebrochenen Akkorden, die Gründungsmitglied Dave Greenfield dem Keyboard entlockt, und den kraftvollen Drums von Tourschlagzeuger Jim (leider lässt die Gesundheit von Jet Black keine kompletten Shows mehr zu). Als die Band Duchess und Golden Brown anstimmt, rastet das Publikum aus.

Den Abschluss des Abends bildet No More Heroes. Damit beweisen die Stranglers, dass sie nach 40 Jahren im Musik-Business noch immer ganz oben mitspielen. Und das bedeutet wohl, dass sie bald mit ihren Triumph Tiger Explorer zu einem Auftritt in Ihrer Nähe reisen.

The Stranglers