Inspiration: Interview

Real Hackney Dave

„Du hast nur ein Leben, nutze es!“

FTR-Biografie:, Hackney Dave

:

Dave Buonaguidi macht keinen Hehl daraus, dass er es mag, gelegentlich auch mal zu fluchen.

„Es geht um Selbstentfaltung und Freiheit. Echte Menschen fluchen im Alltag; ich möchte, dass meine Arbeit die Realität widerspiegelt und nicht irgendeine unternehmerische Sicht auf die Welt“, erklärt Dave.

Diese Auffassung entspringt seiner mehr als dreißigjährigen Vergangenheit in der Werbeindustrie. Einer Branche, die er zunehmend zu verachten begann: „Fließbandarbeit für den Meistbietenden“, eine Mentalität, die seiner Meinung nach Kreativität und Reinheit völlig entgegensteht.

Jetzt, nachdem er sich aus der Tretmühle der Unternehmenswelt zurückgezogen hat, verteilt er die gewonnene Zeit auf drei „reale Dinge, die mich glücklich machen“ − kleine Start-up-Unternehmen unterstützen, eine „kräftig gechoppte“ 2011er Bonneville und seine in der Welt der Motorradkunst berühmten, mit Texten gestalteten Siebdrucke.

Analog statt digital

Dave war der Kopf hinter dem in London ansässigen Unternehmen Karmarama, einer der bekanntesten Werbeagenturen der Welt und berühmt für ihre kreativen Werbe- und Marketingkampagnen.

Er erzählt: „Ich gründete das Unternehmen und baute es zu einer erfolgreichen Werbeagentur auf, mit einigen Highlights wie der Tony-Blair-Kampagne ‚Make Tea Not War‘. Langsam realisierte ich jedoch, dass ich keinen Spaß mehr daran hatte. Bei Konferenzen waren meine Gedanken immer woanders, zum Beispiel unterwegs auf Ausflügen mit meinem Motorrad. Ich wollte lieber Spaß haben, statt nur so viel Geld zu verdienen wie möglich.

„Nach 14 Jahren ließ ich mich freistellen und entschied mich dafür, an einem Siebdruck-Kurs im Print Club London teilzunehmen. Alles war ganz anders, analog und ein kompletter Kontrast zur digitalen Welt − reine Handarbeit, charmant und unverfälscht.“

Triumph – regional, englisch, charmant

Diese Qualitäten waren es, die den Instagram-Guru RealHackneyDave schon immer an Triumph faszinierten: „Klar, es ist ein Unternehmen, aber die Firma ist seit ihrer Gründung denselben Prinzipien treu geblieben. Immer noch sind echte Männer und Frauen – Menschen mit viel Leidenschaft − an jedem Konstruktionsschritt beteiligt.“

„Sie engagieren sich leidenschaftlich für ihre Arbeit und suchen stets nach Verbesserungsmöglichkeiten, ohne dabei die Tradition außer Acht zu lassen, durch die sich das Unternehmen seit jeher auszeichnet. Obwohl Triumph ein globales Unternehmen ist, ist sein Flair regional, englisch und charmant.“

Und trotz aller Kraftausdrücke trifft diese Beschreibung auch auf seine Kunst zu, die bereits Kultstatus erreicht hat. Auf schlichte und dennoch verblüffende Weise kombiniert Dave mit dem Blick des ironischen Beobachters Fotografien, einzigartige Vintage-Landkarten und Bilder aus der Pop-Kultur zu Kunstdrucken, die das Auge des Betrachters fesseln.

Bei seinem jüngsten Druck handelt es sich um ein einfaches, typographiebasiertes Kunstwerk mit dem legendären Spruch „Progress only happens when you tell someone to f**k off“ − was ziemlich genau dem Lebensmotto des Londoners entspricht.

„Seien wir ehrlich: Die meisten Biker fluchen. Ein Unternehmen müsste jedoch sehr viel Mut beweisen, um diesen Aspekt in seine Werbekampagnen zu integrieren. Doch für mich gibt es keine Beschränkungen, und das ist sehr befreiend,“ erzählt Dave.

Bike-Shed-Kumpels

Seine Drucke mit der Aufschrift „Hand Made is Better Made“ für die letztjährige Motorradmesse Bike Shed in London und die vorherige Bike Shed in Paris zementierten eine enge Freundschaft zwischen ihm und dem Gründer von Bike Shed, Dutch van Someren. Darüber hinaus erlangte er dadurch einige Berühmtheit in der Kunstszene der französischen Hauptstadt.

„Meine Arbeiten orientieren sich an den Betrachtern – ich muss wissen, was die Menschen wirklich wollen, und was sie kaufen möchten. Nur so kann ich die Abertausenden von Botschaften durchbrechen, mit denen wir im heutigen Marktumfeld täglich bombardiert werden“, erläutert Dave.

Einzigartige Landkarten von New York, London und darüber hinaus mit typographiebasierten, prägnanten Wörtern und Texten dominieren sein Werk. Für ein Original zahlen Liebhaber seiner Kunst viele hunderte Pfund.

Er liebt das Einzigartige und das Besondere. Als er sich von seiner 1963er Bonneville trennen musste, die „einfach irre war, großartig roch und sich wunderbar fuhr“, kaufte er das 2011er-Modell der T100… und baute es natürlich sofort komplett um.

RealHackneyDave

Direkt aus den 70ern

„Ich gestaltete die Einspritzdüsen optisch wie Vergaser, stattete sie mit Streben aus, kürzte alles und montierte Firestone Classic Deluxes, außerdem eine Seitenhalterung für die Scheinwerfer. Wo immer ich hinkomme, die Leute lieben den Look meines Motorrads, denn es sieht aus, als käme es direkt aus den 70er-Jahren“, berichtet er stolz.

„Eine Triumph zu fahren, das ist für mich ein Stück Identität − anders sein, für das Bike leben und sich selbst darin verlieren, sowohl physisch als auch spirituell − das möchte ich in meinen Drucken festhalten.“

Ob ich etwas bedaure? Ich war nie glücklicher

Bedauert er seine Entscheidung, die „gesichtslose“ Welt der Werbung hinter sich gelassen zu haben? „Verdammt nochmal, nein! Ich möchte mit dem, was ich mache, eine Reaktion bei den Menschen auslösen. Ich möchte Spaß daran haben, was ich tue – und ich war niemals glücklicher als in den letzten Jahren.“

„Integrität und Werte sind alles. Du hast nur ein Leben, also nutze es! Wenn du Motorradfahren willst, dann fahr Motorrad. Wenn du deinen Puls nach oben treiben willst, dann mach das! Aber sitz nicht einfach herum, wie ein Sklave der Geschäftswelt, der immer nur denkt: Was wäre wenn?“

Alles über die Bonneville T100