Inspiration: Big Trip

Die Fahrt in die Rekordbücher

Danell Lynn und ihre Bonnie

FTR-Biografie:, Reisedaten

Reiselänge: 19. September 2014 - 27. September 2015 (373 Tage)

Unfälle: 1 (bei langsamer Geschwindigkeit auf Eis)

Reifenpannen: 2 (beide Male Hinterrad)

Umgefallenes Bike: Bürgersteig (1x)

Auf unbefestigter Straße: 1x

Strafzettel: keinen

Besuchte Staaten: Alle 50 und Kanada

Reifenverbrauch: Vorne: 4, hinten: 8

Teuerster Sprit: 5,99 USD (Death Valley, Kalifornien)

Günstigster Sprit: 1,75 USD (Soso, Mississippi)

Nach mehr als 78.000 km auf ihrer Bonneville wurde sie nun in das Guinness-Buch der Rekorde 2018 aufgenommen. Danell Lynn hält die Zahl der erkundeten Länder am liebsten über ihrem Alter. Mit 36 Jahren ist es für sie also wichtig, immer in Bewegung zu bleiben.

Kommen wir direkt auf den Punkt. Welche waren deine denkwürdigsten Momente?

Es gibt so viele. Da gab es das perfekte Wetter auf dem Highway 1 in Kalifornien. In Washington teilten sich die Wolken und gaben einen sonnigen Blick auf den Mount Rainier National Park frei. In den Carlsbad Caverns fiel der Strom aus, während ich die einzige Besucherin war! Ein weiteres Highlight hatte ich, als ich im Staat Washington mit meinem Bruder das Fliegenfischen lernte. Auch konnte ich Familienmitglieder und Freunde besuchen, die ich jahrelang nicht gesehen hatte. Das Camping im Death Valley National Park in Kalifornien blieb mir im Gedächtnis haften, genau so wie die Schlittenfahrt auf den weißen Sanddünen in New Mexico.

Mit Freunden aus Frankreich fuhr ich durch die Keys und mit meinem Dad für einen Weihnachts-Überraschungsbesuch zurück nach Arizona. Der Dalton Highway in Alaska, das Entkommen vor einem Tornado mit nur 30 Meilen zwischen uns, der Ritt auf dem Tail of the Dragon mit meinem Onkel, eine einsame „Iron Butt“-Dauerfahrt über mehr als 1.000 Meilen, um es vor dem Schnee bis nach Kanada zu schaffen – die Liste ist lang.

Danell Lynn Guinness World Record holder

Auch war es toll, mit Seekühen in der Wildnis zu schwimmen. Diese sanften Riesen sind mehr wie Hundewelpen. Sie können nicht besonders gut sehen und kommen dir ganz nahe, wenn du einfach ruhig im Wasser schwebst. Dann tasten sie dein Gesicht mit ihren Schnurrhaaren ab – ein Seekuhkuss. Das war wundervoll! Dann trauen sie sich zurück, wenn du langsam deine Hand ausstreckst und sie streichelst. Wenn du besonderes Glück hast, drehen sie sich um und lassen sich den Bauch kraulen.

Zu weiteren tollen Momenten gehört das Campen und Kayaking im Everglades National Park, der Besuch von Graceland in Tennessee, die Fahrt auf dem Natchez Trace Parkway und regionale Küche wie gebratene Essiggurken und Grits. Es gab unzählige Highlights, und mein Hunger ist noch nicht gestillt.

Pass gut auf, Welt – dieses Mädchen braucht nur zwei Räder und die offene Straße…

Erzähl uns von dem Rekord, den du aufgestellt hast.

Ich bin die erste allein fahrende Motorradfahrerin, die diesen Rekord hält. Das fühlt sich toll an, aber noch besser war es, den vorherigen Guinness-Weltrekordhalter mit so viel Abstand zu schlagen. Um die Geschichte zu erläutern: Der rekordbrechende Teil meiner Fahrt endete mit meinem Übertritt nach Kanada. Ich fuhr aber durch alle 50 Staaten weiter, erst in Alaska und dann nahm ich Amelia auf einen Flug nach Hawaii mit, um dort durch Honolulu zu fahren.

Warum das Ganze?

Etwa zwei Jahre vor der Reise begann ich, für ein längeres Abenteuer zu sparen: ein Jahr auf einem Motorrad in meinem Heimatland. Schon als Kind und Teenager konnte ich alle 50 Staaten besuchen und wollte dieses Erlebnis in meinen Dreißigern auf einem Motorrad wiederholen.

Ich will nichts im Leben bereuen und wusste, dass ich es bereuen würde, diese Gelegenheit zu verpassen. Also erzählte ich meiner Familie, dass ich in zwei Jahren all meine Habseligkeiten verstauen würde, um die Landstraßen und malerischen Strecken der USA und Kanada zu erleben. In dieser Zeit beschäftigte ich mich mit dem Guinness-Buch der Rekorde, das ich schon als Kind Jahr um Jahr verschlungen hatte. Und ich dachte mir: „Was ich vorhabe, muss doch eine Art Rekord sein“.

Ich kontaktierte das Unternehmen. Man sagte mir, dass ich einen Rekordversuch starten könnte. Ich dachte einige Tage darüber nach und setzte mich sogar auf Amelia, um sie nach ihrer Meinung zu fragen. Allein das brachte mich zu meiner Entscheidung.

Wie bist du zum Motorradfahren gekommen?

Zum ersten Mal war ich auf einem Bike, als ich noch im Bauch meiner Mutter war – zusammen mit meinem Dad. Dann hatten wir viele Jahre keine Motorräder, bis ich 21 wurde und gerne als Sozia mitfuhr. Vor sechs oder sieben Jahren entschloss ich mich, selbst fahren zu wollen. Alle in meiner Familie fahren Motorrad: mein Vater, meine Mutter, meine Brüder, mein Großvater und meine Onkel. Ich habe es also im Blut.

Wohin sonst bist du bereits gereist?

Mein erstes Solo-Abenteuer führte mich nach Costa Rica. Dort mietete ich ein Bike, schnappte mir eine Karte und brach auf, um das Land zu erkunden. Ich bin bereits durch Nordamerika, Mexiko, Argentinien, Chile, Costa Rica, Kambodscha und Pakistan gefahren. Aber es gibt noch so viele Straßen auf der Welt, die es zu befahren gilt…

Danell Lynn Guinness World Record holder

Ich bin schon immer gerne gereist. Das ist ein toller Weg, erwachsen zu werden und zu leben. Ich bin bereits in mehr als 46 Ländern gewesen und es werden immer mehr, denn ich versuche, diese Zahl höher zu halten als mein Alter. Bis jetzt sieht es also gut aus. Ich habe einen Teil meiner Jugend in England verbracht und habe viel von Europa bereist. Doch selbst als Kind in den USA sind wir in jedem Sommer irgendwo hingefahren.

Das Reisen ist seit ich mich erinnern kann Teil meiner Seele. Ich bin schon viele Jahre süchtig danach, es ist die Droge meiner Wahl. Die Euphorie, die das Reisen schafft, ist mit nichts vergleichbar. Sobald ich zuhause ankomme, bin ich schon wieder bereit für meine nächste Dosis.

Warum die Bonneville? Warum Triumph?

Ich bin meinem Herzen gefolgt und entschied mich für eine 2006er Bonnie, taufte sie Amelia und begann, in meinem eigenen Land und in Kanada zu fahren. Ein anderes Bike kam für mich nie in Frage. Ich musste mich zwischen der Scrambler und der Bonneville entscheiden und wählte letztere, da sie am Tag meiner Probefahrt einfach das perfekte Bike war. Ich war schon immer großer Triumph-Fan und wusste, dass ein Triumph-Bike für eine solche Reise die perfekte Wahl wäre.

Danell Lynn Guinness World Record holder

Als Kind machte vor allem der Coolness-Faktor Triumph für mich interessant – der Teufelskerl-Look, wenn Steve McQueen eine fuhr. Als Erwachsene sehe ich noch immer ein wunderschönes „Teufelskerl“-Bike, sexy und mit tollen Kurven. Ich habe keine tiefgreifende Erklärung, warum ich mich so zu Triumph hingezogen fühle. Es ist wie jede andere körperliche Anziehung. Das Bike ist einfach mit meiner Seele verbunden und fühlt sich richtig an. Vielleicht sind es die Jahre, die ich in England verbracht habe, oder der Vintage-Look und die Kurven, keine Ahnung. Aber wenn ich als Künstlerin und Malerin die Linien der Bonneville sehe, spricht mich das einfach an.

Als ich Amelia für die Reise auswählte, hielten mich die Leute für verrückt. „Dafür ist sie nicht gedacht“, „Das ist ein Stadt-Bike“, „Du brauchst ein Abenteuer-Bike wie eine Tiger“…so viele Wege, um „Das geht nicht“ zu sagen – und für mich ist das eine Aufforderung, es zu tun und zu zeigen: „Doch, es geht“.

Wichtige Ausrüstung?

Eine Camelbak-Wasserblase, die ich in die hintere Tasche meiner Jacke gesteckt habe. Ich trinke viel Wasser und selbst bei kälterem Wetter könnte ich ohne sie nicht leben.

Als nächstes wäre da meine gepolsterte Unterwäsche von Moto Skivvies. Damit konnte ich am Ende des Tages auch nach langen Fahrten direkt vom Bike hüpfen.

Danell Lynn Guinness World Record holder

War es ein schwieriges Unterfangen?

Der Zeitraum war meine Wahl. Ich hatte dafür gespart und hatte das Geld, ein Jahr lang unterwegs zu sein. Für die Guinness-Weltrekorde gibt es in meinem Fall kein Zeitlimit. Das war eine lange Fahrt. Wenn es möglich gewesen wäre, zwei Jahre lang unterwegs zu sein, hätte ich das getan.

Danell Lynn Guinness World Record holder

Was hast du gelernt?

Ich habe gelernt, unkonventionell zu leben. Trau dich, über den Tellerrand hinauszuschauen und etwas Großes im Leben zu wagen. Und wenn dir das gelungen ist, plane das nächste Mal. Ich spreche jetzt oft in Schulen über meine Erfahrung. Den Eindruck auf die Jugend und die Inspiration, die ich bei jungen Mädchen und Jungen mit meinen Besuchen auslöse, habe ich nicht vorhergesehen. Einen meiner ersten Besuche werde ich nie vergessen. Als ich in die lange Einfahrtsstraße einbog, kamen mir die Schüler am Zaun entgegen, um mich zu begrüßen. Ich wünschte, ein Filmteam hätte diesen Moment festhalten können. Aber nun ist er für immer in meinem Gedächtnis eingebrannt und ich werde ihn nie vergessen.

Besuchen Sie die Website von Danell, um mehr über die Reise zu erfahren.