Inspiration: Interview

Cafe Racer Speed Triple

Die individuell zugeschnittene Speed Triple „Flashback“ von Daniel Razborsek

Der Australier Daniel Razborsek beantwortet die Frage, warum Motorradfahren wie Skifahren ist und wie er seiner Speed Triple das Aussehen eines Cafe Racers verliehen hat.

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Q. Wie sieht Ihr „Motorradhintergrund“ aus?

A. Ich fahre seit meinem zwölften Lebensjahr und habe mit 14 den Führerschein für Kleinkrafträder bis 50 cm³ gemacht. Da ich dafür Feuer und Flamme war, waren große Motorräder irgendwie die natürliche Fortsetzung. Als ich jünger war, war ich von Sportmotorrädern fasziniert. Meine erste richtige Maschine war eine 89er ZXR750, die ich zerlegt in Kartons gekauft und selber restauriert habe. Damals bin ich auf den Geschmack gekommen, Motorräder zu bauen – und dabei bin ich geblieben. 2010 entwickelte ich ein Interesse an Cafe Racern, bekam mein erstes Cafe-Racer-Projekt-Motorrad von einem Schrotthändler (1979er CB400), schloss mich einer kleinen Gruppe namens Sydney Cafe Racers (SCR) an, nahm an einer ihrer ersten Ausfahrten teil und traf Mark Hawwa, der uns alle zusammengebracht hat. Das ist eine der besten Cafe-Racer-Gruppen der Welt, und sie hat mein Leben für immer verändert. Ich war bei allen Veranstaltungen dabei, wie z. B. beim Distinguished Gentleman's Ride und dem Throttle Roll. Und jeden Tag danke ich meinem guten Stern dafür, dass er mich zu einigen der besten Menschen geführt hat, denen ich je begegnet bin.

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Q. Was bedeutet Motorradfahren für Sie?

A. Es erinnert mich an die 80er-Jahre, an meine Teenagerzeit, als ich von der Polizei angehalten wurde, weil ich keinen Helm trug. Die Polizisten waren zwar so nett, mir keinen Strafzettel auszuhändigen, aber sie ließen die Luft aus meinen Reifen heraus. Ich sollte das Motorrad nach Hause schieben. Stattdessen schob ich es nur bis zur nächsten Tanke, pumpte die Reifen auf und fuhr weiter – nur um noch am gleichen Tag von demselben Polizisten erneut angehalten zu werden. So ging das fast jede Woche. Eine Geldstrafe habe ich aber nie bekommen. Einem Nicht-Motorradfahrer das Motorradfahren zu erklären ist fast unmöglich, aber ich habe einmal einen guten Versuch gehört. In diesem Fall wollte jemand es einem Typen erklären, der leidenschaftlicher Skifahrer war. Er sagte zu ihm: „Stellen Sie sich vor, Sie könnten auf Skiern zur Arbeit, zum Einkaufen oder zu einem Treffen mit Freunden fahren. Allein die Fahrt von A nach B wäre ein Abenteuer, das Ihnen viel bedeutet und enorm Spaß macht.“ So fühlt sich Motorradfahren für mich an.

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Q. Was hat Sie am Restaurieren und Bauen von Motorrädern gereizt?

A. Ich habe mich schon immer für alles Mechanische interessiert und mein „Fetisch“ ist, mechanischen Dingen wieder Leben einzuhauchen – auch wenn es nur darum geht, ein altes, oxidiertes Aluminium-Motorgehäuse zu polieren. Ich stelle mir gern selbst neue Herausforderungen und liebe es, Zeit allein in der Garage zu verbringen.

Q. Inwieweit spielt Ihre Arbeit in der Luftfahrt eine Rolle bei Ihren Motorradprojekten?

A. Ich bin lizenzierter Fluggerätemechaniker und diesem Beruf verdanke ich all mein technisches Wissen und Können. Die Liebe zum Detail, eine Arbeit gleich beim ersten Mal richtig zu machen und manchmal einfach nur die Anweisungen im Handbuch Wort für Wort zu befolgen – das sind die Dinge, die ich in den letzten 20 Jahren in der Luftfahrtindustrie gelernt habe. Ich bekomme viele meiner Ideen und Inspirationen von Flugzeugen. Sowohl technisch als auch optisch. So sehr ich die Arbeit an Flugzeugen liebe, so sehr vermisse ich dabei die Freiheit zur Selbstentfaltung, denn alles erfolgt streng nach den Vorgaben der Flugzeugdokumentation. Da sind keine Abweichungen möglich, also mache ich das mit meinen Motorrädern.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten auf Skiern zur Arbeit, zum Einkaufen oder zu einem Treffen mit Freunden fahren. Allein die Fahrt von A nach B wäre ein Abenteuer, das Ihnen viel bedeutet und enorm Spaß macht. So fühlt sich Motorradfahren für mich an.

Daniel Razborsek

Q. Erzählen Sie uns von Ihrem neuesten Projekt.

A. Als sich mein Interesse von Sportmotorrädern auf Naked Bikes verlagert hat, dachte ich, dass eine Speed Triple alles hat, was sich ein Motorrad-Enthusiast nur wünschen kann – einen ungewöhnlichen Dreizylindermotor, einen schönen Motorradrahmen, eine merkwürdige Doppelscheinwerfer-Konfiguration und eine einseitige Schwinge. Ein paar Jahre nachdem ich sie gekauft und mein erstes Cafe-Racer-Projekt (79er CB400) abgeschlossen hatte, brauchte ich ein anderes Motorrad. Also habe ich mir eine 1995er Triumph Daytona 900 gekauft. Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich sie in eine Speed Triple der ersten Generation, die mir immer schon gefallen hat, umbauen und die neuere Maschine in einen Cafe Racer verwandeln kann. Auf diese Weise könnten Leistung und Fahrverhalten eines modernen Motorrads mit der traditionelleren Optik kombiniert werden – und zu der Zeit kannte ich niemanden, der das mit einer Speed Triple vorhatte. Also habe ich genau das getan – und ich fahre immer noch jeden Tag mit meiner 95er Speed Triple zur Arbeit, während „The Flashback“ nur bei SCR-Fahrten zum Einsatz kommt.

Q. Warum der Name „The Flashback“?

A. Ich nenne die Maschine „The Flashback“, weil ich bemerkt habe, dass die Leute einen zweiten Blick darauf werfen. Zuerst denken sie, dass es ein alter Klassiker ist, und stellen erst beim zweiten, genaueren Hinsehen fest, dass es sich um ein modernes Motorrad handelt.

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Q. Was ist Ihr Lieblingsteil/das beste Merkmal dieses Umbaus?

A. So sehr mir die Frontverkleidung auch gefällt, muss ich doch sagen, dass mein Lieblingsteil der Sitz mit der Sitzabdeckung ist. Ich habe den Standardsitz neu geformt, um hinten einen kleinen Höcker zu bekommen, und ihn dann mit Rippen neu verkleidet. Ich habe die Sitzabdeckung, die nicht einmal für dieses Motorrad gedacht war, umgeformt, um einen schönen „Adlerschnabel“ mit geschwungenem Ende zu bekommen, und zum Abschluss ein rundes POSH-Rücklicht angebracht.

Q. Gab es irgendwelche Probleme?

A. Der schwierigste Teil war die Herstellung der Halterungen für die Frontverkleidung, den Scheinwerfer und den Tacho, um sicherzustellen, dass es bei vollem Lenkeinschlag zu keinem Kontakt kommt. Ich habe die Verkleidung stark modifiziert, um die gewünscht Optik zu erhalten und sie passend zu machen. Es hat Wochen gedauert, um all die kleinen Korrekturen und Aussparungen zu machen, die zu sehr engen Toleranzen geführt haben. Die Abstände betragen überall einen oder zwei Millimeter. Die erste Alu-Halterung war nicht steif genug und die Scheinwerfer haben etwas zu stark vibriert. Also habe ich eine Stahlverstärkung gefertigt, mit der alles felsenfest gehalten hat.

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Pete Cagnacci für Fotos, Mark Hawwa (SCR) und „Throttle Roll“

Q. Wie ist das Motorradfahren in Sydney?

A. Sydney ist großartig. Bei dem Wetter ist Motorradfahren das ganze Jahr über möglich. Die Wintermonate sind manchmal sogar noch besser, da es dann nicht so heiß ist. Es gibt mehrere Kurzstrecken für Fahrten in die Innenstadt, an verschiedene Strände oder um sich einen Kaffee bzw. ein schönes Essen zu gönnen. Man kann sich auch aus der Stadt herauswagen (Richtung Küste oder landeinwärts) und einige fantastische Straßen mit atemberaubenden Aussichten entlang fahren. Unsere Lieblingsgegend für eine kurze, aber aufregende Fahrt ist der Royal National Park.

Q. Was machen Sie lieber – Motorräder fahren oder bauen?

A. Mir macht das Bauen von Motorrädern genau so viel Spaß wie das Fahren. Und für mich bedeutet beides, aus der Verrücktheit und dem Druck des modernen Lebens auszubrechen und in meine eigene Welt einzutauchen, in der es keine Erwartungen und Termine gibt und in der auch keine Pausenbrote für die Kinder zum Mitnehmen in die Schule gemacht werden müssen. Ich kann wirklich nicht sagen, was mir mehr Freude bereitet. Es sei denn, Sie erwischen mich gerade in der Garage, wenn etwas schiefläuft und meine Knöchel bluten, weil ich mit einem Schraubenschlüssel abgerutscht bin. In diesem Fall würde ich wahrscheinlich sagen, dass mir das Fahren besser gefällt.

Q. Was kommt als nächstes?

A. Da ich es einfach nicht schaffe, den Winkelschleifer auch nur in die Nähe der 95er Speed Triple zu bringen, habe ich eine 1978er Suzuki GS750 von einem SCR-Kumpel übernommen, die ich gerade zerlege. Das wird ein Cafe-Racer-Umbau mit einer wesentlich klassischeren Optik.

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