Inspiration: Big Trip

Auf dem Sattel einer Rocket zurück ins Glück

Die Freundschaft von Fremden ist der Treibstoff

Dezember 2016: London, England – Mark Holms ist von dem Verlust seiner Frau, die an Krebs starb, erschüttert.

Januar 2018: Das Rote Zentrum des australischen Outbacks – Mark Holms lernt von dem Anangu-Aborigine Leroy, nach Verpflegung in Form von wilden Feigen und Buschpflaumen zu suchen und seine Wasserversorgung aus kleinen Teichen am Fuß von Bäumen zu sichern. Der Trick ist nach in der Luft kreisenden Vögeln Ausschau zu halten.

Es gibt, wie Mark im ersten Teil seiner Reise berichtet hat,immer kleine Momente der Erinnerungen an Sue, seine verstorbene Frau. Die Zuwendung und Freundschaft von Fremden hilft ihm aber alles zu relativieren. Kurze Begegnungen an den merkwürdigsten Orten sind die lebensbejahenden Überraschungen auf Motorradtouren, behauptet der Fahrer einer 2015er Rocket X. Wie die Frau, die ihn mit einem Lächeln an einer Tankstelle in der Mitte des glühend heißen australischen Outbacks grüßte und die er auf einem Parkstreifen wieder getroffen hat.

„Ich erklärte, warum ich alleine am Ende der Welt unterwegs war und sie erzählte mir, dass ihr Ehemann nach einer langen und glücklichen Ehe ebenfalls gestorben war. Sie beschrieb dies als ‚sehr unangenehm für ihn‘.“

Marks Mission bestand darin, seine Leidenschaft für Triumph zu teilen, die Anti-Raucher-Botschaft im Gedenken an seine Frau zu verbreiten und mehr über die Welt und ihre Bewohner herauszufinden. Welchen besseren Abschluss hätte also die erste Etappe seiner Reise finden können, als mit den Affen im atemberaubenden Angkor Wat – der Inspiration für Disneys Dschungelbuch – umherzustreifen?

Der König des Dschungels

Mit einem Motorrad kann man zu normalerweise schwer zugänglichen Orten wie Angkor Wat gelangen, die ansonsten nur mit organisierten Touren zu erreichen sind, welche die Freiheit stören, die für mich alles bedeutet.

Es hat mir als Kind Vergnügen bereitet, mit King Louie zu singen, während er sich an Lianen durch mit Wurzeln und Ästen überwachsene antike Ruinen schwingt, und tut dies auch heute noch. Festzustellen, dass dieser Ort tatsächlich existiert, war eine unglaubliche Erfahrung.

Angkor Wat ist das Kronjuwel Kambodschas, der Tempel ist auf der Landesflagge abgebildet und trotz der vier Millionen Besucher, die sich jährlich hier tummeln, findet man hier ein 400 Hektar großes Himmelreich für Kinder und Motorradfahrer gleichermaßen.

Der Tempel wurde von dem Khmer-König Suryavarman II. im frühen 12. Jahrhundert zur Verehrung des Hindu-Gottes Vishnu erbaut und wandelte sich nach und nach bis zum Ende des Jahrhunderts in einen buddhistischen Tempel. Wie so oft mit Königreichen kam es zu Diskussionen, Nachbarn marschierten ein, das Imperium brach zusammen und der Dschungel verschlang seine Reste.

500 Jahre im Schnelldurchlauf in das 20. Jahrhundert und die Welt begann den Ort wieder zu entdecken. Der kambodschanische Bürgerkrieg und andere Eingriffe störten die Wiederherstellung zwischen 1970 und den späten 1980er Jahren. Umso bemerkenswerter ist es, dass ein so großer Teil davon sich in einem so ausgezeichneten Zustand befindet.

Ich musste mein Leben umkrempeln und mich in die Welt hinaus begeben, die ich bisher nur im Film gesehen hatte, um eine Sensibilität für ihre Eigenarten zu entwickeln. Ich begab mich zu einem anderen Tempel, Ta Prohm, der mir genau damit half, da er das Versprechen hält, seine Besucher immer zum Lächeln zu bringen, ob man nun ein Fan von Lara Croft, Indiana Jones oder dem Dschungelbuch ist.

Der unglaubliche Tra Prohm in Angkor

Kuala Lumpur, Singapur und Jakarta

So wie Angkor Wat mich mit seiner Geschichte, Kultur, Architektur und Handwerkskunst begeistert hat, können zu viele kulturelle Eindrücke die Wertschätzung schwierig machen. Der Puls der modernen Städte wirkte also verlockend.

Kuala Lumpur hat mich überrascht. Ich übernachtete direkt im Zentrum und sah eine Stadt, die vollgepackt ist mit modernem, urbanem Leben. Die Stadt macht einen sehr erfolgreichen Eindruck. Tatsächlich fühlt sich Malaysia insgesamt sehr erfolgreich an.

Ich glaube, man hat sich das von Singapur abgeschaut. Der Stadtstaat boomt. Historisch gesehen begann Singapur mit der Verschiffung von Waren zwischen Ost und West durch seinen Hafen, was jetzt mit Handelsinformationen ergänzt wird. Also wesentlich Geld. Das Hauptgeschäftsviertel sieht aus und fühlt sich an, als sollte es weltweit unter den Top 10 liegen.

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Motorradfahrer seien gewarnt: Die indonesische Hauptstadt Jakarta ist mit Kuala Lumpur oder Singapur nicht zu vergleichen und der Verkehr ist das größte Problem. Es ist die weltweit größte Stadt ohne öffentliches Nahverkehrssystem. Verkehrsstaus, Luftverschmutzung, Dreck und das Unvermögen, sich effizient fortzubewegen, verderben die Stadt. Trotzdem herrscht eine Atmosphäre des Erfolgs. Die Asienspiele, die hier im August 2018 stattfinden, haben für die Konstruktion des MRT (Mass Rapid Transit) und LRT (Light Rail Transit) gesorgt, aber in der Zwischenzeit sind alle auf der Straße, einschließlich Millionen Motorräder.

Das australische Outback

Australien und die Tyrannei der Entfernung

In seinem Buch „Tyrannei der Entfernung“ von 1996 erklärt Geoffrey Blainey, wie Australiens Schicksal von seiner Abgelegenheit bestimmt wurde. Der Titel des Buchs wird heutzutage verwendet, um Entfernungen zwischen beinahe überall auf dieser kolossalen Landmasse zu beschreiben.

Für Motorradfahrer und insbesondere solche mit einem Bike wie meinem, das dazu gemacht wurde, um die Kilometer herunterzureißen, ist es ein faszinierendes Reiseziel und perfekt zum Fahren.

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In Richtung Westen von Brisbane aus verwandeln sich die Vororte schnell in landwirtschaftliche Betriebe, die sich um Straßenkreuzungen oder an Bahngleisen sammeln.

Känguru-Wut

Die langbeinigen, untersetzten und gründlich geschorenen Merinoschafe sind die bevorzugte Art hier, wobei die größeren Stationen von Rindern dominiert werden. Kängurus aber säumen die Straße in der Trockenzeit, um am frühen Morgen die Feuchtigkeit vom Asphalt zu lecken. Die unerwünschte Konsequenz ist, dass sie in alle Richtungen und regelmäßig vor sich nähernde Fahrzeuge springen. Die Autos vor Ort sind mit Frontschutzbügeln ausgestattet, aber Motorradfahrer werden deutlich gewarnt.

Manche Streckenabschnitte sind mit Kadavern übersät, auch von Emus und umherstreifenden Rindern, während tote Opossums, Wombats, Wildschweine und der seltene Koala meine makabre Faszination für überfahrene Tiere stärkt.

Neue Freunde an merkwürdigen Orten

Das Rote Zentrum Australiens umspannt drei Staaten (und Territorien) und genau hier habe ich Leroy getroffen, der mir gezeigt hat, wie ich Wasser aus kleinen Teichen am Fuße der Bäume finden konnte, deren Wurzeln sich in den Rissen von Steinen befanden.

Uluru – oder Ayers Rock – zu besuchen, war der Hauptgrund für meine Reise durch das Outback. Ein großer Sandsteinfelsen, der während des Sonnenauf- und Sonnenuntergangs eine rote Farbe annimmt und von den Anangu, den traditionellen Einwohnern der Region, als heilig angesehen wird.

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Besuch des Uluru mit der Rocket

Mit so wenigen Menschen im Outback – die nächste größere Stadt ist Alice Springs und 450 km entfernt – begrüßten alle, die ich getroffen hat, die Gelegenheit für ein Gespräch.

Als ich allein sein wollte, bin ich durch den südlichen Rand des Outbacks durch Südaustraliens große Weingüter zurückgefahren. Jedes dieser Weingüter fühlte sich wie Weinbau im großen Stil an und übertraf bei weitem alles Vergleichbare in Europa.

Und glauben Sie niemanden, der sagt, das Outback sei leer. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein und ich kann es nicht abwarten, eines Tages zurückzukehren. Die Aussicht, ein richtiger Nomade zu werden, ist sehr verlockend.

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Bungee Jumping in Australien