Inspiration: Interview

Ein Tourpionier teilt seine Tipps

Ted Simon: Der Pate der Motorrad Reise

FTR-Biografie:, Der Pate

Name: Ted Simon

Geboren: Deutschland

umrundete die Welt: zweimal

Motorrad: Triumph Tiger 100 (Jupiter)

Was man unbedingt dabei haben sollte: Gummibänder

Der Journalist und Autor Ted Simon war die Inspiration für Ewan McGregors und Charley Boormans Long Way Round-Dokumentation.

1973 unternahm er eine vierjährige Reise auf einer 500cm3 Triumph Tiger 100. Es war eine Reise über 64.000 Meilen durch 45 Länder, die zu dem wegweisenden Abenteuerreisebuch Jupiter’s Travels führte.

2001, im Alter von 70 Jahren, tat er es erneut.

FTR hat Ted um ein paar Reisetipps gebeten.

Q. Welche Ziele würden Sie jemanden empfehlen, der seine erste Motorradreise plant?

A. Es hängt völlig von der Person ab. Wenn Sie noch nirgendwo gewesen sind, wäre eine Tour nach Brighton aufregend! Es geht darum, Ihren Horizont zu erweitern. Wenn Sie schon in Brighton waren, wäre das nächste Ziel Calais. Denken Sie an einen Ort, der Sie nervös macht, an einen Ort, an dem Sie die Sprache nicht sprechen und wo Sie denken, dass die Leute ein wenig zwielichtig sind. Fahren Sie dort hin.

Q. Was raten Sie zur Planung eines Motorradabenteuers?

A. Es geht darum, sich auf das Abenteuer und weniger auf die Vorbereitung zu konzentrieren. Die Leute machen sich zu viele Sorgen darüber, was passieren kann, was sie tun sollen und ob sie ausreichend vorbereitet sind. Darin verlieren sie sich oft so sehr, dass sie niemals fahren.

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Q. Brauchen die Fahrer eine besondere Mentalität?

A. Der Schlüssel ist es, sehr effizient und zäh zu sein. Und sich nicht darüber zu sorgen, wie man Probleme vermeiden kann, sondern eher die Wahrscheinlichkeit von auftretenden Problemen zu begrüßen. Es sind die Probleme, die Sie auf der Reise haben, die es am interessantesten machen. So lernt man Leute kennen - bitten Sie um Hilfe.

Q. Hat man beim Aufbruch immer Angst vor dem Unbekannten?

A. Die Leute haben Bilder davon im Kopf, angegriffen oder ausgeraubt oder in irgendeiner Weise irregeführt zu werden, und dass Leute ihnen gegenüber feindselig sind. Das Schöne an fast jedem Abenteuer, von dem ich je gehört habe, ist, dass man am Ende genau den gegenteiligen Eindruck bekommen hat. Mit anderen Worten, wenn Du diese Ängste hast, geh trotzdem. Man kann Angst nicht verhindern, wenn man Angst hat. Aber finde einen Weg, Deine Ängste zu ignorieren, mach die Reise und entdecke, dass sie unbegründet sind. Ich hatte bei meiner ersten Reise viele Ängste. Einige davon machten mich verrückt, aber nach ungefähr einem Jahr wurde mir klar, dass ich sie kontrollieren und benutzen konnte. Es verstärkte mein Bewusstsein für alles, was um mich herum vor sich ging. Ängste lösen sich in Nichts auf und Du erkennst, vor wie wenig Dingen man Angst haben muss. Man hat diese beiden gegensätzlichen Impulse - Neugier und Angst, und die Neugierde muss gewinnen. Neugierde mag die Katze getötet haben, aber Dich wird sie nicht töten.

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Q. Welche Ausrüstungsgegenstände waren für Sie unverzichtbar?

A. Ich fand Gummibänder immer sehr nützlich. Grundlegende Dinge wie Kabel und Stricke sind wirklich sehr nützlich. Man kann aber heute überall fast alles bekommen. Würde ich heute eine Reise mache, nähme ich eine Zahnbürste und eine Kreditkarte mit.

Für viele Leute bedeutet Abenteuer, eine Menge Zeug zu kaufen, zu planen und eine Tour und Fotos zu machen. Aber ein Abenteuer muss etwas sein, das Dich aus Deiner Komfortzone herausholt und Dich herausfordert.

Ted Simon

Q. Gibt es einen bestimmten Ort, an den Sie noch mal zurückkehren möchten?

A. Einer der Gründe, warum ich meine zweite Reise unternahm, war, dass ich viele Orte nochmals besuchen wollte, die ich auf der ersten Reise gesehen hatte. Was ich vermisse und wohin ich gerne noch einmal fahren würde, ist der Süden Indiens. Wenn ich einen einzigen Ort nennen müsste, wäre es Kerala. Es ist dort unten ganz anders als im Norden.

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Q. Was bedeutet „Abenteuer" für Sie?

A. Für viele Leute bedeutet Abenteuer, eine Menge Zeug zu kaufen, zu planen und eine Tour und Fotos zu machen. Aber ein Abenteuer muss etwas sein, das Dich aus Deiner Komfortzone herausholt und Dich herausfordert.

Q. Ist ein Motorradabenteuer für einige aufgrund von beruflichen Verpflichtungen immer unmöglich?

A. Wenn Leute mir erzählen, dass sie sich wegen ihrer Arbeit sorgen, eine Tour zu machen, sage ich ihnen, dass das Quatsch ist. Die Leute merken es, wenn man eine große Tour hinter sich hat. Man kann auf ganz unterschiedliche Arten mit vielen Menschen umgehen. Das Selbstvertrauen, mit dem man zurückkommt, veranlasst Menschen dazu, Dich haben zu wollen. Es ist wirklich eine Art Magie.