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Tiger Tramontana: die Nachbesprechung

Ein exklusives Gespräch mit dem Fahrer des Prototyps Tiger 800

Felipe Lopez war der Erste, der bei der Teilnahme an der anspruchsvollen und wettkampfintensiven PanAfrica-Rallye die Off-Road-Fähigkeiten des Tiger 800-Prototypen wirklich testen konnte.

Auf dem beeindruckenden Prototyp für die neue Tiger 800 – der Tiger Tramontana – führte Felipe in seinem allerersten Wüstenrennen durch Marokkos riesige Sanddünen auf mehreren Etappen das Feld an und gewann schließlich Silber in der strapaziösen Maxi-Trail-Klasse.

Jetzt, nachdem der Staub sich wieder gelegt hat, traf sich FTR mit Felipe in Spanien, um darüber zu sprechen, wie es sich angefühlt hat, den Prototyp für eines der angesehensten Triumph Adventure-Motorräder dem ultimativen Test zu unterziehen.

Felipe Lopez on the Tramontana Pan Africa Rally

Q. Wie hast du dich gefühlt, als du zum ersten Mal gehört hast, dass du an der PanAfrica Rallye teilnehmen wirst?

A. Es war ein Mix aus Herausforderung und Verantwortung. Es war nicht einfach nur ein weiteres Rennen. So viele Leute haben so hart an dem Projekt gearbeitet, und wir sahen uns mit etwas völlig Neuem konfrontiert. Aber diese Art von Herausforderung gibt einem das Gefühl, am Leben teilzunehmen.

Q. Was ging dir – ganz ehrlich– durch den Kopf, als dein Bruder Daniel das Rennen gegen Ende aufgrund einer Verletzung abbrechen musste?

A. Das war hart. Ich hatte miterlebt, wie sehr er sich die sechs Monate vor dem Rennen vorbereitet hatte und wusste, mit wie viel Enthusiasmus er in seine erste Wüstenrallye gegangen ist, deshalb war ich ziemlich traurig. Gleichzeitig erhöhte sich der Druck auf mich, da ich wusste, dass ich die Tiger Tramontana alleine bis ans Ziel bringen musste.

Q. Wie war das Training?

A. Sechs Monate lang körperliches Training, am Wochenende und sogar unter der Woche nach der Arbeit viele Stunden auf dem Motorrad. Viele, viele Navigationsübungen, da wir wussten, dass das am wichtigsten sein würde. Leider boten sich uns nicht allzu viele Möglichkeiten, vor dem Rennen in den Dünen zu üben, deshalb war dieser Teil vermutlich unsere größte Herausforderung.

Felipe Lopez on the Tramontana Pan Africa Rally

Q. Kannst du deine Gefühle an der Startlinie beschreiben?

A. Nach so viel Training habe ich mich darauf gefreut. Im Gegensatz zu anderen Rennen war meine größte Sorge nicht, ob andere schneller sein würden, sondern dass ich nicht wusste, ob ich gut genug auf die Wüste vorbereitet war. Ich war auch sehr stolz darauf, die erste Person zu sein, die auf der neuen Tiger 800 an einem Wettkampf teilnahm.

Q. Wann dachtest du zum ersten Mal „Das wird ein hartes Rennen werden!“?

A. Auf alle Fälle beim ersten Kontakt mit den Dünen, da fühlte ich mich wie ein völlig unerfahrener Fahrer. Das Motorrad ging alle zehn Minuten unter mir weg, und dann wurde mir plötzlich klar, wie schwer dieses Rennen sein würde.

Q. Was war der berauschendste Moment?

A. Wahrscheinlich der Tag, an dem ich als Vierzehnter das Tagesziel erreichte. Die Nacht davor war eine Marathonetappe, und ich hatte ohne mein Team zwischen den Dünen unter dem Sternenhimmel geschlafen und Zeit gehabt, in einem sehr speziellen Kontext über den kommenden Tag nachzudenken. Es war angekündigt worden, dass uns eine der anspruchsvollsten Etappen bevorstand, und ich dachte, dass es für mein Motorrad schwieriger werden würde. Ich habe mich absolut hochkonzentriert auf den Weg gemacht. Es war mein vierter Tag, und ich war sehr zuversichtlich. Ich absolvierte meine beste Etappenstrecke und überholte viele Fahrer, die in den ersten paar Tagen vor mir waren.

Felipe Lopez on the Tramontana Pan Africa Rally

Q. Welcher Moment war für dich am beängstigendsten?

A. Den Moment gab es nicht. Noch nicht mal an diesem letzten Tag, an dem uns Probleme zu schaffen machten und wir zusahen, wie unsere unglaubliche Führung immer weiter zusammenschrumpfte. Es fühlte sich großartig an, in diesem Moment zu versuchen, das Problem zu lösen.

Q. ...und welcher Moment war der gefühlsmäßige Höhepunkt?

A. Ohne Zweifel das Überqueren der Ziellinie, obwohl es ein bittersüßer Moment war, nachdem ich in der Klasse so lange Zeit die Führung gehalten hatte. Ich war sehr glücklich, weil wir das Rennen mit einem zweiten Platz, der sehr nahe am Gewinner lag, beendet hatten und weil wir die Ziele, die wir uns gesteckt hatten, bei weitem übertroffen hatten.

Q. Du bist seit einigen Jahren an der Arbeit an den Tigers und dem Prototyp Tramontanas beteiligt, aber war dieses Rennen nicht der bisher wichtigste Test für den Prototyp?

A. Absolut. Wir hatten uns ein hohes Ziel gesteckt. Wir brachten unsere Tiger-Motorräder an einen Ort, an dem extremste Bedingungen herrschen, und wir hatten keine Ahnung, was passieren würde. Tatsächlich war es so, dass viele Leute hart daran gearbeitet haben, das Motorrad überhaupt innerhalb von sechs Monaten fertigzustellen, und wir hatten natürlich keine Zeit, alle Änderungen in dem Maße, wie wir es wollten, auszutesten. Aber jetzt, wo wir das Ergebnis sehen, kann ich sagen, dass wir mit diesem Motorrad absolut nichts zu befürchten haben.

Felipe Lopez on the Tramontana Pan Africa Rally

Q. Wie gefiel dir das Fahrgefühl des Motorrads, insbesondere der verkürzte erste Gang, und wie hat dir das in den tiefsten Dünen geholfen?

A. Auch wenn wir die Endversion auf etwas präzisere Weise an die Rallyebedingungen angepasst haben, war das Getriebe der neuen Tiger 800 mit dem verkürzten ersten Gang unglaublich vorteilhaft, ganz besonders bei den extremsten Herausforderungen des Rennens.

Q. Welche anderen Aspekte des Motorrads sind während der fünf Etappen in den Vordergrund getreten?

A. Wir hatten zwei wichtige Vorteile: einen starken Motor, der uns auf den schnelleren Fahrbahnen Flügel verlieh, und eine stabile Rahmengeometrie, die es uns erlaubte, diesen Motor auszunutzen.

Q. Natürlich ist die Federung der 800 etwas anders, aber davon abgesehen, wie sehr ähnelt das PanAfrica-Motorrad der XC-Reihe?

A. Die Federung unterscheidet sich nicht gewaltig von der des ursprünglichen Motorrads, aber wir brauchten einfach eine größere Bewegungsspanne für das anspruchsvollere Gelände. Die interne Federungseinstellung ähnelt der des ursprünglichen Motorrads sehr. Da wir alles, was wir nicht brauchten, entfernt hatten, wog sie weniger, aber von der Gewichtsreduzierung und der offensichtlichen ästhetischen Veränderung abgesehen ist die Tiger Tramontana eine optimierte Tiger XC.

Felipe Lopez on the Tramontana Pan Africa Rally

Q. Wie hat es sich angefühlt, dem Klassensieg so nah zu kommen?

A. Wenn man mit einem Motorrad, mit dem man so involviert ist, in ein Rennen geht, dann fährt man nicht, um sein Können als Fahrer zu demonstrieren, sondern um zu zeigen, was das Motorrad leisten kann. Nachdem der Sieg fast greifbar war und ich dann doch nur den zweiten Platz belegte, taten mir all die Leute leid, die an diesem Projekt mitgearbeitet hatten. Aber dann ließen sie mich wissen, dass sie mit dem Ergebnis, das bereits alle Erwartungen übertroffen hatte, äußerst zufrieden waren.

Q. Wie hast du dich seit der Rallye gefühlt? Hast du Lust auf mehr?

A. Auf jeden Fall. Die Leute sagen immer, dass es unmöglich ist, aufzuhören, nachdem man in Marokko dabei war. In meinem Fall stimmt das insofern, dass ich oft darüber nachdenke, dass ich gerne wieder eine Rallye fahren würde oder dass ich einfach dort noch einmal teilnehmen könnte. Aber ich bin mir bewusst, dass sich so eine Möglichkeit nicht so einfach ein zweites Mal anbietet.

Q. Wie steht es um David und dich? Seid ihr noch Freunde?

A. Freunde und Brüder, und falls wir irgendetwas anderes in der Zukunft unternehmen, werden wir es gemeinsam tun.