Inspiration: Interview

Nick Apex: Mein Aufstieg zur weltweiten Freestyle-Berühmtheit

FTR-Biografie:, Nick Brocha aka Apex

Heimatstadt: Las Vegas, NV

Stuntbike: 2011 Triumph 1050 Speed Triple

Auszeichnungen: XDL National Championship Title und viele Preise, mit denen ich – meist verspätet – meine Stromrechnung bezahlen konnte.

Klappe zu und Action: Der schüchterne junge Mann mit Kappe auf der ersten Sprosse seiner Karriereleiter in der Welt des Films ruft einem Trio von Stunt-Fahrern Anweisungen zu.

Wochen und Monate verbrachte Nick Brocha mit dem Filmen choreographierter Action – und konnte endlich gut davon leben.

Seine kleine Firma in der (in seinen Worten) „Müsli-und-Hippie-Stadt“ Seattle machte sich gerade einen Namen als erste Anlaufstelle für schnell produzierte Videos.

Aber je länger er nur Beobachter hinter der Kamera blieb, desto mehr verspürte er das Bedürfnis, seinen Wochenend-Adrenalinschub Snowboarding um ein weiteres Hobby zu ergänzen.

„Wir heuerten für jeden gut klingenden Job an und obwohl Seattle eine schöne Stadt ist, wurde mir klar, dass ich den nächsten Schritt machen musste“, sagt er.Apex4

„Seattle ist eine Müsli-Stadt für Hippies und keine Sportbike-Stadt. Bis ich 25 war, hatte ich mich nebenbei als Kellner betätigt und kam mit einem für die Gastronomie attraktiven Lebenslauf in Vegas an.“

Jetzt, Jahre später, steht der Junge im Baseball-Cap auf der anderen Seite der Kamera und ist der Star in Freestyle-Videos für einige der bekanntesten Marken der Welt.

Gerade ist er von einem Videodreh in Osaka, Japan zurückgekommen – für ihn die vierzehnte Reise dorthin. Dieses Mal ist es das Produktionsteam des Energydrinks Monster, das ihm die Anweisungen zuruft.

„Bis hierhin war es eine ziemliche Achterbahnfahrt. Wir waren ehrgeizig und verkauften Filme an Tower Records, einen der größten Vertriebe für Action-Sport-DVDs“, sagt Nick.

Ich war der schüchterne Junge, niemand hätte es mir zugetraut, aufs Bike zu steigen und loszulegen.

Nick Brocha AKA Apex

„Ich bin von Natur aus hyperaktiv, immer auf der Suche nach dem nächsten großen Ding. Daher begann ich mich zu fragen, ob ich nicht in größerem Maße in die Filmbranche einsteigen könnte.“

Nachdem er nach Las Vegas gezogen war und ein „viel zu großes“ Haus gemietet hatte (einst Heim und Drehort des 70er-Pornostars John Holmes), setzte er sich mit den örtlichen Streetridern in Kalifornien, Arizona und New Mexico in Verbindung.Apex2

In seinen Worten: „Sie konnten kostenlos bei mir wohnen und ich konnte alle in der Branche kennenlernen und viele Videos drehen. Einige von ihnen waren ziemlich erfolgreich. Irgendwann sagte mir jedoch jemand: „Es gefällt mir nicht, dass du Geld mit unserem Sport verdienst“. Also gab Motorsportfanatiker Nick das Snowboarden auf und probierte sich am Freestyle.

Der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte. „Ich war der schüchterne Junge, niemand hätte es mir zugetraut, aufs Bike zu steigen und loszulegen“, sagt er. „Aber ich verbeiße mich gerne in meine Ziele und bin jeden Tag drei Stunden gefahren – jahrelang. Ich hatte nie Ambitionen, als Stuntfahrer erfolgreich zu werden. Ich wollte immer Snowboarder sein.

Ich war ziemlich introvertiert und hatte nie vorgehabt, meinen Lebensunterhalt mit Motorrädern zu verdienen… ich hatte einfach nur Spaß daran.“ Ab 2005 organisierte er kleine Shows und Street-Hooligan-Events. Er verbrachte viel Zeit damit, auf Parkplätzen andere Fahrer zu nerven und arbeitete nebenbei weiterhin an DVDs. Nur für den Fall, dass es nicht klappen sollte.

Der Moment der Entscheidung kam, als er Ernie Vigil traf. Die beiden verstanden sich sofort gut und motivierten sich gegenseitig, beim Streben nach dem perfekten Stunt noch einen Schritt weiterzugehen.Apex3

„Das war der Zeitpunkt, wo ich mir sagte: ‚Entscheide dich – Motorradfahren oder hinter der Kamera stehen, beides geht nicht‘. Ich hatte eine einmonatige Tour mit Shows gebucht – ein riskantes Unterfangen – und stieg zusammen mit Ernie und Chris Fisher voll ins Motorradfahren ein.

Danach haben wir nie mehr zurückgeblickt“, erinnert er sich. „Die DVD-Produktion lief gut, aber was ich jetzt tue, hat etwas Reines. Denn der Fahrer steht über dem Bike – man ist Sportler und kein Fahrer oder jemand, der entfernt davon hinter der Kamera steht.“

Für Ernie und Nick ist die Triumph Street Triple das beste Werkzeug für die Arbeit, aber Nick gibt zu: „Auch die Daytona und die Tiger sagen mir sehr zu. Die Modellreihe bietet enorme Vielfalt. Aktuell besitze ich 20 Bikes. Ich neige wohl zum Hamstern.“

Es ist die unvergleichliche Freiheit von Bewegung und Schönheit. Es gibt keine Regeln, doch gute Fahrer heben sich von schlechten Fahrern durch ihre Übergänge ab – wie du von einem Stoppie zum nächsten Move wechselst, zeichnet dich als Fahrer aus.“

Nick Brocha aka Apex

Nick Brocha aka Apex

Aber was genau hat Nick dazu verleitet, die Kamera liegen zu lassen und zum Star zu werden?

„Ich liebe die feine Fahrtechnik, die man im Freestyle-Sport braucht. Sie erinnert mich daran, dass ich nicht nur Fahrer bin. Ich bin Sportler und das Bike ist Teil von mir“, erklärt er. „Es ist die unvergleichliche Freiheit von Bewegung und Schönheit.

Es gibt keine Regeln, doch gute Fahrer heben sich von schlechten Fahrern durch ihre Übergänge ab – wie du von einem Stoppie zum nächsten Move wechselst, zeichnet dich als Fahrer aus.“

Beim D1 Drifting Champs in Osaka traten Nick und Ernie vor einem japanischen Publikum auf, das ganz auf die Szene eingestimmt ist. Im Oktober setzen sie die Tour in Tokio fort.

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Dazu Nick: „Die Reaktionen auf unsere Arbeit sind überall anders. Das Publikum in den USA ist eher zurückhaltend, bis man es für sich gewinnt. In England ist es schon von Anfang an enthusiastisch – ein tolles Publikum. In Japan sind die Zuschauer leise, aber einmal in Jubel gebracht, hören sie nicht mehr auf. 2006 fuhr ich das erste Mal nach Japan. Es ist eine Nation voller Rennverrückter.

Die Szene dort wächst immer weiter und es kristallisiert sich eine riesige Gruppe junger und unglaublich talentierter Fahrer heraus, die ein äußerst enthusiastisches Publikum unterhalten.“ Der Druck, an der Spitze zu bleiben, ist groß. Doch Nick ist sich sicher, dass seine Besessenheit genau hier von Vorteil ist.Apex10

„Irgendeine Stimme in meinem Kopf sagt mir immer ‚Nein, das ist gefährlich‘. Aber wenn es um das Ausprobieren neuer Stunts geht, ist mein Selbsterhaltungstrieb nicht so ausgeprägt. Immer denke ich mir: ‚Was kann schon passieren?‘ und versuche es trotzdem“, sagt er. „Wenn es wehtut, halte ich den Atem an und stehe es durch. Wenn ich bei einem Stunt nicht weiterkomme, sage ich mir: ‚Auf einem Motorrad ist alles möglich‘. Und wenn mir die letzten 10 % fehlen, arbeite ich hartnäckig daran, bis der Stunt perfekt ist.“

Für das Streben nach Perfektion hat Nick aktuell nicht viel Zeit. So schneidet er das Videomaterial aus Japan für den YouTube-Kanal von Monster für Ende November, arbeitet am Kurzfilm „72 Hours of Empire“ und an einem anderen Stuntfilm für Dezember.

In seinen Worten: „Die Pläne für das kommende Jahr stehen noch nicht fest, aber wir möchten etwas mit Speedway-Spot-Bikes auf Asphalt machen. Aber noch ist nichts entschieden. Denn zum Glück sind wir jetzt in der Lage, unsere eigene Geschichte zu schreiben. „In meiner Jugend in Seattle hätte ich nie gedacht, dass ich einmal in der ganzen Welt herumreisen würde, um Stunts aufzuführen und Videos zu drehen.”

Ich bin noch immer sehr bescheiden. Schließlich bin ich nur Motorradfahrer.

Nick Brocha aka Apex

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