Inspiration: Big Trip

Lea Riecks Rund-um-die-Welt-Tagebuch Teil 2

Diejenigen, die weniger haben, geben mehr ... und andere Überraschungen

Lea Rieck hat ein Drittel der Weltumrundung auf Cleo, ihrer Tiger 800 XCA hinter sich. FTR hat sie in Bangkok, dem Ende der asiatischen Etappe ihres Abenteuers, getroffen.

Vorurteilen trotzen – von China nach Pakistan

China war hart, weil ich eine geführte Tour machen musste, und sie machen es einem nicht leicht. Deshalb verbrachte ich dort auch nur drei Tage. Keine Katastrophe, weil ich schon mal dort gewesen war und das Fahren dort, meiner Meinung nach, wegen der fehlenden Freiheit nicht übermäßig spannend ist. Von Kirgisistan aus bin ich in Richtung Kashgar und dann zur Grenze nach Pakistan gefahren.

In Pakistan fuhr ich sofort auf den Karakoram Highway, der so was von wunderschön und einer der erstaunlichsten Orte ist, an denen ich jemals gewesen bin. Er ist als der China-Pakistan Freundschafts-Highway bekannt und auf rund 4.000 Metern Höhe eine der höchsten und am besten ausgebauten Grenzstraßen der Welt.

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Es ist schwierig, Worte zu finden, um diesen Ort zu beschreiben. Seine schneebedeckten Gebirgszüge spotten jeder Beschreibung, aber ich kann mit einem Lächeln im Gesicht über die Leute sprechen. Man hat aufgrund der Mediendarstellung immer Vorurteile über Länder und ihre Leute. Die Menschen in Pakistan waren so liebenswert.

Es ist trotzdem ergreifend, sie zu kennenzulernen – sie sind so nett und es ist ihnen so bewusst, dass die Besucher von dem Terrorismus, der in ihrem Land herrscht, gehört haben. Aus diesem Grund kommen sie auf Dich zu, entschlossen, Dich wissen zu lassen, dass sie muslimisch, friedliebend und freundlich sind.

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Früher kamen viele Touristen hierher zu Besuch. Aber aufgrund der Gewalt kommen jetzt nur noch sehr wenige Westler, was sehr traurig ist. Die Menschen sind so schön wie die Landschaft, die von schroffen Bergketten bis zum üppig bewachsenen Hunza Tal reicht, wo Blumen wachsen und alles grün ist.

Geringe Erwartungen enttäuscht – von Indien nach Nepal

Nach dem Bergpass war meine erste Station Amritsar und eine Übernachtung in Chandigarh, wo ich jemanden kennenlernte, der mit einem indischen Journalisten befreundet war, welcher mich für die Indian Times interviewte.

Ich machte mich auf den Weg durch die Berge nach Shimla, und da hatte ich mein erstes Problem mit Cleo – eine Reifenpanne mitten im Nirgendwo, eine Stunde zu Fuß von der nächsten Stadt entfernt.

Das war super ärgerlich und ich wollte gerade loslaufen, als ein Mann angefahren kam und mir erzählte, dass es voraus eine Werkstatt gab. Er half mir, etwas Luft aufzupumpen, und ich fuhr auf der Felge zu einer Werkstatt in der Stadt, wo sie gerade den Artikel über mich in der Zeitung gelesen hatten.

Während sie neue Reifen aufzogen, wurde ich wie eine Berühmtheit behandelt. Dann machte ich mich auf den Weg nach Delhi, wo ich meinem Mädchen eine 20.000 km Inspektion bei Triumph spendierte.

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Bevor ich nach Indien fuhr, hatte ich Angst vor dem dortigen Verkehr. Als ich jedoch dort war, hatte ich so geringe Erwartungen, dass ich eine wirklich gute Zeit hatte. Ich fuhr nach Nepal hinein, wo sich der Haupttourismus in Kathmandu konzentriert. Was für ein wunderschönes Land. Tolle Menschen und super Kurven durch saftiges Grün der Berge und neblige Horizonte.

Die Leute sind so arm, aber unglaublich freundlich. Sie drängten sich alle um Cleo, berührten sie aber nicht. Sie waren so respektvoll. Diese Leute sind bereit, Dir alles zu geben, auch wenn sie nichts haben. Ich fragte mich, ob wir das Gleiche tun würden, wenn sie in unseren westlichen Ländern auftauchen würden.

Ich musste mich einer Gruppe von Leuten anschließen, um durch Nepal zu kommen. Aber bevor wir dort ankamen, mussten wir erst durch einige der nordindischen Gebiete fahren, einschließlich Assam und Nagaland, wo aufgrund eines langjährigen Grenzstreits überall in den Büschen Militär ist, das Waffen auf einen richtet. Beängstigend.

Pagoden im Paradies – Fünf-Sterne-Myanmar

Myanmar ist ein Paradies. Alles ist in Ordnung, alles ist gut, die Straßen sind perfekt und die Leute sind sehr sanft und freundlich. Sogar in den preiswerten Hotels erfährt man eine Fünf-Sterne-Behandlung, weil jeder so aufmerksam ist und sie wollen, dass man rundum glücklich ist.

Ich bin völlig „vertempelt” – überall, wohin Du schaust, wird der Buddhismus zelebriert, seien es Mönche in ihren Gewändern oder Pagoden, die in der Sonne glitzern.

Das Essen ist auch unglaublich lecker, ähnlich wie Indisch (was ich liebe), aber mit einem zusätzlichen thailändischen Touch. Das Beste ist, dass die Mahlzeiten auf teilen basieren. Reis, Nudeln und Gemüse werden in der Mitte des Tisches platziert und neue Freundschaften entstehen.

Ich traf hier ein paar Amerikaner auf Triumph Motorrädern; einen auf einer Tiger 1200 und der andere auf einer Tiger 800 XRX – der Beweis dafür, dass nichts eine Tiger aufhalten kann. Ich blieb eine Weile in Myanmar und habe mit einigen der entspanntesten Menschen, die ich je getroffen habe, selig gechillt.

Als es an der Zeit war, zur thailändischen Grenze aufzubrechen, wusste ich, dass Schwierigkeiten auf mich warteten. Ich brauchte für die Durchfahrt Genehmigungen, und die Vorschriften und Gesetze ändern sich alle paar Wochen. Schließlich ließ man mich durch und ich stand vor einer langen Fahrt nach Bangkok, wo ich spät in der Nacht ankam und völlig erschöpft ins Bett fiel.

Auf den Spuren meines Vaters – nächste Station Australien

Ich verbringe hier ein paar Wochen, bevor ich nach Malaysia und Kuala Lumpur weiterreise, während mein Motorrad für die nächste Etappe nach Australien verschifft wird. Als mein Vater jünger war, fuhr er von Sydney aus die Küstenstraße entlang. Vor der nächsten Etappe und Südamerika plane ich, sechs Wochen dort zu verbringen.

Apropos mein Vater, er und meine Mutter sind plötzlich Technikexperten geworden. Meine Mutter ist jetzt der größte WhatsApp-Nutzer. Aber es gab einen Zeitraum von drei oder vier Tagen, wo ich kein WLAN hatte. Mein Vater rief mich ran, um zu hören, ob es mir gut geht. Ich bin mir nicht sicher, ob sie auf mich stolz sind, aber ich hoffe es.

Ich bin so glücklich, dass ich diese Tour mache, und umso mehr, dass ich noch so viele Monate vor mir habe, bevor das Abenteuer endet. Es macht Freude, nie zu wissen, was einem im nächsten Land erwartet, und die Korrelation zu sehen von armen Menschen, zu sehen wie unglaublich glücklich die armen Menschen, die nichts haben, sind.

3 wesentliche Dinge, die ich gelernt habe

  1. Weltweit wird viel darüber in den Medien berichtet, dass Frauen in Indien vergewaltigt und als minderwertig behandelt werden. In Chandigarh habe ich jedoch wirklich tapfere, zähe Frauen kennengelernt, die erfolgreich für Gleichberechtigung kämpfen. Sie sind stark und trotzig und haben dafür gesorgt, dass ich wirklich glücklich darüber bin, dass meine voreingenommene Meinung von unterdrückten Opfern revidiert wurde.
  2. Ich besuchte einen Ort in Imphal in Indien in der militarisierten Zone. Dort gab es einen Markt, der komplett von Frauen geführt wurde. Sie produzieren, vermarkten und verkaufen ihre Produkte und sind das Fundament der Gemeinschaft. Das zu sehen war eine Offenbarung.
  3. Die Natur macht mich atemlos und sprachlos weil der Karakorum-Highway magisch alles in einem vereint.