Inspiration: Big Trip

Lea Riecks Rund-um-die-Welt-Tagebuch Teil 1

‚Was wäre, wenn...‘ vertreiben

FTR-Biografie:, Wer ist dieses Mädchen?

Name: Lea Rieck

Alter: 29

Geboren: München

Reisegefährte: Cleo, ihre Tiger XCA 800

Lektion 1 - auf der Straße gelernt: Jede Stunde anhalten und trinken (Wasser).

„Wenn Sie Lust haben, wenn Sie es wirklich wollen, werden Sie einen Weg finden… drehen Sie einfach das ‚was wäre, wenn‘ herum.

Auf der Suche nach einem neuen Job und die Nase vom täglichen 9 bis 17 Uhr gestrichen voll, hallte dieses Mantra in Lea Riecks Kopf wider.

In Gang eines Supermarktes in ihrer Geburtsstadt München hatte sie die Erleuchtung: „Ich betrachte gerade Konservendosen, als ich plötzlich diesen Gedanken hatte: Ich musste mit dem Motorrad um die Welt reisen und ich musste es sofort tun, bevor die Zweifel wiederkehren konnten.“

Zwei Jahre zuvor hatte sie Europa auf einer unbedachten und im Nachhinein ziemlich dummen Pilgerreise durchreist, um sich mit Freunden in Istanbul zu treffen.

Ihre positive Einstellung hatte sie zu einer erfahrenen Motorradfahrerin gemacht, zumindest in ihrem eigenen Kopf. In Wirklichkeit hatte sie erst vor zwei Monaten ihren Führerschein bestanden und hatte nur wenig Fahrpraxis, auf die sie zurückgreifen konnte.

„Rückblickend muss ich verrückt gewesen sein, so schnell von Deutschland loszufahren. Ich wusste, wie man fährt, hatte aber nicht die entsprechenden Fähigkeiten. Ich war völlig ins kalte Wasser gesprungen“, sagte sie.

Nachdem sie ihren Job gekündigt hatte, ist sie nun heute auf dem Weg nach Südostasien, durchquert gerade entweder Pakistan oder Indien – auf halber Strecke dieser Weltreise, die spontan in einem Supermarkt zu Hause geboren worden war.

„Klar, ich hatte die üblichen Sorgen. Was ist, wenn meine Ersparnisse aufgebraucht sind? Was ist, wenn ich krank werde? Würde ich jemals einen Job und ein schönes Zuhause finden, wenn ich zurück bin?“ sagte sie.

„Aber sind wir mal ehrlich, heutzutage ist man, wo auch immer man auf der Welt ist, normalerweise nur eine oder zwei Stunden von einem Flughafen entfernt. Also habe ich mir gedacht‚ was zur Hölle.“

Inspiriert durch den jüngsten Rund-um-die-Welt-Abenteurer und Triumph-Botschafter Rhys Lawrey, ist Lea – 29 Jahre alt – nun seit drei Monaten auf einer Tiger 800 unterwegs.

„Nachdem ich meinen Job aufgegeben hatte, musste ich den ganzen Papierkram erledigen, was schlicht und ergreifend alle Gründe untermauerte, warum ich weg wollte. Als ich dann mit Cleo, meiner Tiger 800 los fuhr, war es als fiele ein großes Gewicht von meinen Schultern ab“, sagte die ehemalige Redakteurin eines Architektur- und Designmagazins.

Aufbruch aus München

Es ist eine große Freude, durch Osteuropa zu fahren – man kann an einem einzigen Tag bis zu drei Länder sehen. Eintönigkeit hat demnach keine Chance.

Bei der Einfahrt in die beeindruckende Kulisse des Durmitor-Nationalparks und Europas Grand Canyon, Tara in Montenegro, war dieses „was wäre,wenn“ nur noch eine ferne Erinnerung. Näher als an diesem Ort kommt man natürlicher Schönheit nicht.

Die Nähe zur Natur ist mir sehr wichtig. Darum geht es auf dieser Reise und man kann ihr nicht näher sein, als auf einem Motorrad. Die kurvigen Straßen hier sind unglaublich. Sie lassen einen wünschen, nie wieder durch eine Stadt fahren zu müssen – außer um das Motorrad warten zu lassen.

Tränen unter Vorbehalt

Die Türkei war für mich interessant. Ich hatte 2011 in Istanbul gelebt. Aber als ich dorthin unterwegs war, gab es die Nachricht von einem tödlichen Bombenattentat. Deshalb musste ich umdisponieren und konnte meine alten Freunde nicht sehen.

„Ich fuhr durch Kappadokien, was ziemlich touristisch ist, wirklich schön, aber nicht das, was ich sehen wollte. Die Zentraltürkei war jedoch eine wunderbare Überraschung, mit breiten, freien Straßen durch Landschaften, die sich zwischen üppigen grünen Bergen und felsiger Wildnis abwechseln.

Die Quintessenz ist, dass, wenn es den Samen einer Idee gibt und Sie das „was wäre, wenn“ gewinnen lassen, werden Sie es für immer bereuen und sich eines Tages fragen: „Was wäre, wenn ich diese Reise gemacht hätte?"

Das Beste von Pamir

Tiflis in Georgien ist eine Überraschung, voller Kunst und Kultur und Menschen, die von der Tatsache begeistert sind, dass Touristen kommen. Hier spürt man einen Geist der Befreiung, der mit mir im Einklang ist, denn das ist der Grund, warum ich diese Tour mache. Ich fahre durch die Welt, um Dinge und neue Kulturen kennenzulernen und nicht, um mich selbst zu finden.

Es ist interessant, eine Frau auf einem Adventure-Motorrad zu sein, weil das in vielen Ländern immer noch ein seltener Anblick ist. Die Stimmung der Leute ändert sich von interessiert zu neugierig und dann zu Respekt dafür, wie hart man gearbeitet hat, um bis hierher zu kommen.

Wenn ich meinen Helm abnehme, sind die Leute wirklich überrascht. Das passierte in Russland ein paar Mal zu meinen Gunsten, als ich angehalten wurde. Zuerst sind die Polizisten verwirrt, wenn sie eine Frau sehen. Sie lassen mich warten und sind sich dann nicht sicher, was sie mit mir machen sollen. Also sagen sie, ich solle weiterfahren.

Ich dachte immer, ich müsste irgendwann mal heulen – das tue ich normalerweise nicht – aber bisher war das nicht notwendig. Ich habe diese Taktik im Ärmel, falls ich sie brauche.

Rückschläge machen einen stärker

Weiter durch Tschetschenien, Russland und Kasachstan zum Kaspischen Meer, durch die russischen Steppen und die Wüste mit ihrer 40 Grad Hitze, schmerzhaft eintönige Geraden, keine Tankstellen, ständiger Schweiß und leere Landschaft, in der nichts los ist. Das „was wäre, wenn“ kehrte zurück, um mich zu verspotten.

In Russland musste ich abseits der Straße fahren, obwohl ich nur Straßenreifen hatte und nachdem ich etwa acht Meilen auf einer toten Sandpiste gefahren war, stürzte ich mit Cleo, schlug meinen Kopf an und lag dort 20 Minuten lang, bis ein Auto anhielt, um mir zu helfen. Ich blieb einen Tag im Bett und ärgerte mich über mich selbst, weil der Unfall so unnötig gewesen war.

Der Windschutz war kaputt, der Lenker verbogen, ich hatte meinen Kopf angeschlagen, war alleine und meine Entschlossenheit hatte einen Dämpfer bekommen. Aber der menschliche Geist ist stark und Rückschläge machen Dich stärker. Ich stieg wieder aufs Motorrad und nach fünf Minuten wusste ich, dass es mir gut gehen würde.

Ein weiteres ‚was wäre, wenn‘ war geschlagen.

Schmutzige Tiger

Ich widerspreche mir hier selbst, aber obwohl Kasachstan und Usbekistan aus Motorradsicht nicht besonders interessant sind, waren die Städte, Moscheen und Wüstentouren erstaunlich. Sie machen es für uns Fahrer jedoch schwer, weil man zu manchen Zeiten im Jahr kein Benzin bekommt. Zu einem Zeitpunkt war mir das Benzin fast ausgegangen.

Als ich in Tadschikistan ankam, wurden mir die Augen geöffnet. Ich war auf dem Pamir Highway, der Hauptstraße durch die Berge, die Afghanistan, Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan voneinander trennen – und die Aussicht raubte mir den Atem.

Gepflastert, unbefestigt, Asphalt, Geröll und Schlamm, dies ist eine Straße für den erfahrenen Fahrer, daher, „was wäre, wenn…“, was wäre, wenn ich es ruhig angehen würde und mir schneebedeckte Berge, weite Himmel und Adrenalin treibende Pässe ansehen würde, nur um auf eine Gruppe von Amerikanern und Briten auf einer organisierten Tour zu stoßen, die mich unter ihre Fittiche nahmen.

Sie waren auf dem Weg in die Hauptstadt Duchanbe und passten auf der Schlammstrecke auf mich auf. Als wir dann wieder auf Schotter stießen, kam meine Tiger 800 voll zu ihrem Recht. Sie ist nie im falschen Gang, der Motor ist kraftvoll und doch geschmeidig wie Seide. Ich bin nie wund, weil es selbst auf den rauesten Oberflächen keine Vibrationen gibt, und sie ist das perfekte Reisemotorrad. Asphalt ist ihr bester Freund, aber sie ist verblüffend vielseitig, egal, mit was man sie konfrontiert.

Der Pamir Highway war wunderschön und spektakulär. Aber meine vorrangige Erinnerung an diese Gegend ist die Freundlichkeit der Menschen trotz ihrer Armut.

Als ich Kirgisistan erreichte und damit das Ende meiner ersten Etappe, musste ich Cleo waschen, weil die Leute anfingen, zu sagen, wie schmutzig sie sei. Ich habe das Gefühl, wenn sie reden könnte, wäre sie genau das gerne.

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Der Pamir Highway war wunderschön und spektakulär. Aber meine vorrangige Erinnerung an diese Gegend ist die Freundlichkeit der Menschen trotz ihrer Armut.

Als ich Kirgisistan erreichte und damit damit das Ende meiner ersten Etappe, musste ich Cleo waschen, weil die Leute anfingen, zu sagen, wie schmutzig sie sei. Ich habe das Gefühl, wenn sie reden könnte, wäre sie genau das gerne.

Was jetzt?

Ich habe noch knapp 10 Monate meiner Reise vor mir. Wenn Sie dies lesen, bin ich (vielleicht zu schnell) durch China gesaust und müsste auf dem Weg nach Indien sein. Ich werde den Oktober und November in Südostasien verbringen und dann nach Südamerika fliegen, um das Abenteuer dort fortzusetzen.

Bis dahin wird es kein „was-wäre-wenn“ mehr geben, denn ich weiß aus der bisherigen Erfahrung, dass ich einen Weg finden werde.

Ich habe keine Ratschläge für Leute, die überlegen, eine große Tour zu machen, weil jeder seinen eigenen Weg finden muss. Wenn Sie wirklich den Wunsch haben, werden Sie die Zeit finden und alle nagenden Zweifel umkehren. In der modernen Welt ist man nie mehr als eine oder zwei Stunden vom nächsten Flughafen entfernt. Wenn also alles schief geht, können Sie einfach nach Hause fliegen.

Die Quintessenz ist, dass, wenn es den Samen einer Idee gibt und Sie das „was wäre, wenn“ gewinnen lassen, werden Sie es für immer bereuen und sich eines Tages fragen: „Was wäre, wenn ich diese Reise gemacht hätte?“

FTR hat geplant, weiter von Lea zu berichten. Schauen Sie also bald für die nächste Etappe ihrer Reise wieder vorbei…