Inspiration: Festival

Ganzjährige Motorrad-Touren in den USA

Die 5 besten Routen

Wenn die Nacht hereinbricht und das Wetter schlechter wird, kommen Aaron Heinrich, Autor des Buches „Asphalt & Dirt“, die guten Ideen. Dabei ist es von Vorteil, dass er an der Westküste der USA lebt. Aber diese ist schließlich für jeden mit dem Flugzeug zu erreichen.

Für alle, die in Kalifornien und in den Südstaaten leben, ist Motorradfahren das ganze Jahr über möglich. Da gibt es viele, viele Kilometer zurückzulegen. Insofern bedarf es schon einiger Überlegung, um eine Liste ganzjähriger Top-Routen zusammenzustellen.

Jeder Fahrer ist natürlich anders und auch wenn diese Routen für jede Jahreszeit geeignet sind, kann man doch in manchen Monaten in große Hitze (teilweise über 38 °C), Regen (wechselhaft) oder Wind (Wirbelstürme) geraten.

Für manche Fahrer sind kurvenreiche Strecken eine willkommene Herausforderung, für andere bedeuten sie eher Stress. Manche Fahrer bevorzugen geschichtsträchtige Strecken, andere legen mehr Wert auf die Landschaft. Und wieder andere wollen von jedem etwas.

Die folgenden fünf Routen berücksichtigen diese verschiedenen Aspekte und auch wenn nicht immer alles dabei ist, so haben wir doch versucht, möglichst viele Punkte unterzubringen. Lassen Sie uns also im Osten starten und der Sonne entgegenfahren.

Von Naples nach Key West, Florida – 320 Kilometer

Diese Route führt Sie an den südlichsten Punkt des Festlandes der USA und in das Land von Hemingway. Die Strecke ist fahrtechnisch nicht besonders anspruchsvoll und bietet Ihnen auf Höhe der Florida Keys einige fantastische Ausblicke aufs Meer – und vielleicht entdecken Sie auch das ein oder andere Krokodil, wenn sie von Naples ins Landesinnere fahren.

Key West, Florida
Key West, Florida

Einheimische, die mit der Route vertraut sind, empfehlen, den Highway 997 zu nehmen, um Miami zu umgehen, es sei denn, Sie stehen gern im Stau. Halten Sie Ausschau nach den Hinweisschildern nach Key Largo und fahren Sie anschließend auf den Highway 1. Auf ihm geht es dann bis ganz in den Süden.

Die Gegend wurde vom Hurrikan Irma heimgesucht, weswegen nicht alle Einrichtungen auf den Florida Keys geöffnet haben. Einige von ihnen stehen Touristen aber wieder zur Verfügung und landschaftlich gibt es hier auf jeden Fall viel zu sehen.

Der Blues Highway – 440 km

Da Musik und Motorradfahren untrennbar zusammenhängen, erschien es uns sinnvoll, eine „musikalische“ Route mit aufzunehmen. Der Blues Highway ist eigentlich der Highway 61, der von Vicksburg im Bundesstaat Mississippi nach Norden führt und in Memphis, Tennessee, endet.

Memphis Tennesse
Memphis im Bundesstaat Tennesse

Die gesamte Wegstrecke folgen Sie dem Mississippi-Delta und fahren durch weite Ebenen mit sich über Kilometer erstreckenden Feldern und entlang tiefer, sumpfiger Kanäle (den sogenannten „Bayous“) gesäumt von Zypressen und Baumwollfeldern. Sie kommen an kleinen Ortschaften wie Greenville, Cleveland und Clarksdale vorbei, bevor Sie schließlich Memphis erreichen.

Probieren Sie doch einmal einige der Seitenstraßen Richtung Osten aus. Wenn Sie sich dann wieder gen Westen fahren, stoßen Sie letztlich wieder auf den Highway 61. In Memphis sollten Sie unbedingt der Beale Street einen Besuch abstatten, denn sie gilt als Wiege des Blues. Sobald Sie dort sind, werden Sie verstehen, warum.

Three Sisters, Texas – 210 Kilometer

Das Beste an dieser Route: Hier verlieren Sie alle Ihre Vorurteile, dass ganz Texas flach und nicht weiter besonders ist. Es ist ein wenig aufwendig, den Anfangspunkt dieser Route zu erreichen. Starten Sie am besten in dem Örtchen Medina. Die größten Städte in der Umgebung sind Austin und San Antonio.

Bluebells in Texas
Bluebells in Texas

Im Frühjahr und Herbst blühen hier Wildblumen. Die Straßen, die Sie nehmen sollten, sind die 337, 335 und 336. Sie werden vom Staat unterhalten. Die Straßen sind kurvig und Steinschläge können nicht ausgeschlossen werden. Falls Sie im Sommer reisen, sollten Sie wissen, dass es sehr heiß werden kann. Zudem gibt es nur wenige Tankstellen auf dem Weg. Tanken Sie also möglichst oft.

Die Gegend ist bekannt für ihre von der Schneeschmelze gespeisten Flüsse, die durch die Canyons fließen. Diese erhielten ihre Form durch die Grundwasserleiter, die auf dem nördlichen Plateau an die Oberfläche gelangen. Sie fahren durch malerische Ortschaften wie Leakey, Camp Wood und Barksdale.

Im Sommer können die Temperaturen bis auf über 38 °C steigen. Kleiden Sie sich also leicht und bringen Sie ausreichend Wasservorräte mit. Den Rest des Jahres über ist das Wetter mild, im Frühjahr und Winter regnet es ab und zu.

Von Hemet nach Borrego Springs, Kalifornien – ca. 170 km

Diese Route ist nicht besonders lang, dafür erleben Sie einige der landschaftlich reizvollsten Teile der Wüste im südlichen Kalifornien. Die beste Reisezeit ist im Frühjahr, jedoch verändert sich die Wüste über das Jahr wenig und auch die jahreszeitlich bedingten Vegetationsunterschiede sind gering.

California Desert
Kalifornische Wüste

Sie fahren vorbei an mit Chaparral (typisch kalifornische Strauchart) bedeckten Hügeln und kommen mit zunehmender Höhe durch Mischwälder aus Eichen und Pinien. Dann geht es über den Pass bis zur Warner Springs Ranch. Von hier aus geht es hinab in die Anza-Borrego-Wüste, einem Tal mit Palmen und Wüstensträuchern. Im Frühjahr blüht hier ein Meer aus Wildblumen.

Pacific Coast Highway, Kalifornien

Die größte Schwierigkeit bei dieser Route besteht darin, zu entscheiden, wo genau Sie starten und wo Sie enden wollen. Denn es ist überall toll! Grundsätzlich könnten Sie den Highway 1/101 von der mexikanischen Grenze bis hinauf nach Washington nehmen (ca. 2.100 km). Dies ist jedoch nicht wirklich empfehlenswert, es sei denn, Sie wollen unbedingt mitten durch San Diego und Los Angeles fahren und die Auto- und Lkw-Abgase einatmen. Hier gibt es einige bessere Optionen.

Golden Gate Bridge

Eine Möglichkeit wäre, in San Luis Obispo Richtung Norden zu starten und bis San Francisco (370 km) zu fahren. Dabei kommen Sie durch Big Sur in der Nähe von Hearst Castle und erleben einige spektakuläre Steilküsten. Beachten Sie hierbei, dass Teile des Highway 1 auf diesem Streckenabschnitt noch gesperrt sind. Grund hierfür ist ein durch Starkregen verursachter Erdrutsch im vergangenen Jahr. Der Bundesstaat hat jedoch gute Umleitungen geschaffen und diese deutlich ausgeschildert.

Eine andere Möglichkeit wäre, in Mill Valley auf der anderen Seite der Golden Gate Bridge zu starten. Dadurch umgehen Sie San Francisco komplett. Sie fahren immer entlang der Küste bis nach Leggett (275 km). Dort führt der Highway 1 dann ins Landesinnere und wird zum Highway 101. Die Landschaft ähnelt der zuvor erwähnten Route, normalerweise herrscht aber weniger Verkehr.

Die Bixby Creek Bridge bei Nacht in Big Sur, Kalifornien

Die Temperaturen sind das ganze Jahr über mild. Von November bis April kann es regnen. Unerschrockene, reisefreudige Zeitgenossen können auf dem Highway 101 bleiben und fast die gesamte Pazifikküste bis zum nördlichen Ende des Bundesstaates Washington hinauffahren.

Also, worauf warten Sie noch? Ab nach draußen und aufsitzen!