Inspiration: Festival

20 Tage Winter-Roadtrip

Kühle Witterung? Kein Problem für das Triumph-Paar

Zwei Stunden nach dem Startschuss zu ihrem Winterabenteuer in Europa wurde Richard Adams plötzlich etwas klar …

Richards Motorrad-Mitfahrerin und Freundin Lori fuhr in gleichbleibendem Tempo, um den Motor ihres neuen Triumph Street Twin einzufahren, und plötzlich spielten Richards Gedanken verrückt … auch Gedanken über die Reiseroute. Als sie jedoch immer tiefer in ihren 20-tägigen „Auszeit“-Trip eintauchten, wurde ihm bewusst, dass es nicht immer um Geschwindigkeit geht. „Wir ließen diesen „Alles-muss-sofort-erledigt-werden“-Modus, in den wir zu Hause immer verfallen, hinter uns, wir nahmen uns plötzlich Zeit und erlebten Dinge, die uns normalerweise entgangen wären.“

Ihr Europa-Abenteuer begann im Oktober, als Richard, der als Grafikdesigner arbeitet, und Lori Bellomo, eine Hedgefonds-Analystin, gerade keine Verpflichtungen auf der Arbeit hatten. „Wir haben uns gefragt, ob uns das Wetter vielleicht einen Strich durch die Rechnung machen würde, aber dann dachten wir: „Ach komm, wir machen das jetzt einfach“. Anstatt also nur rumzuhängen und die Zeit verstreichen zu lassen, sind wir auf unsere Maschinen gestiegen“, erzählt Richard, der eine 2012 Triumph Scrambler besitzt.

Setting off on motorcycle trip on Triumph Street Twin
Am Hafen von Portsmouth ging‘s los.

Ihre grobe Reiseroute sah so aus: Mit der Fähre von Großbritannien ins spanische Santander übersetzen und dann möglichst weit nach Osten fahren und wieder zurück.

Lesen Sie hier ihr Reisetagebuch:

Tag 1 und 2 – Von Portsmouth nach Santander, von Santander nach Javier

Spanien war viel entspannter als London. Ich war überrascht, dass es keine Radarkontrollen und Temposchwellen gab und auf den Straßen so wenig los war. So konnten wir die Landschaft genießen. Hier wunderte ich mich zum ersten Mal über Loris Tempo, aber die Stimmung war so entspannt, dass ich dachte, ich würde mich schon daran gewöhnen, etwas langsamer unterwegs zu sein.

Tag 3 – Von Javier nach Bagnères-de-Luchon

Wir fuhren 250 km durch die spanischen Pyrenäen auf langen, kurvenreichen Straßen mit wunderschöner Landschaft und passierten dann die französische Grenze. Als wir den Tunnel auf der französischen Seite hinter uns gelassen hatten, ging es steil bergab, wir fuhren auf einigen ziemlich engen Serpentinen … Das würde eine großartige Tour werden!

Sky in Spain

Tag 4 – Von Bagnères nach Agde

Nach dem Kick der langen, kurvigen Fahrt durch die Pyrenäen machten wir halt in Carcassonne, einem hübschen Städtchen, das von Burgmauern umgeben ist. Wir waren beeindruckt, wie golden das Licht in Südfrankreich ist. Wir buchten ein Hotelzimmer in Adge, einem kleinen hübschen Strandort. Erst später erzählte mir meine Mutter, dass Adge ein bekannter FKK-Ort ist (keine Ahnung, woher sie das wusste, und ich will es auch lieber gar nicht wissen). Immerhin haben wir im Supermarkt keine nackten Menschen gesehen.

Tag 5 – Von Agde nach Marseille

Wir dachten, in Marseille würde es besonders cool werden, aber ehrlich gesagt war die Stadt eine Enttäuschung im Vergleich zur bisherigen Tour und Landschaft.

Tag 6 – Von Marseille nach Golfe-Juan

Lori musste im Rahmen ihrer 1000-km-Inspektion einen Ölwechsel machen, also blieben wir in Küstennähe. Wir fuhren durch das hübsche Saint-Tropez, wobei ich froh war, dass wir unsere Räder hatten, denn die teuren Autos steckten alle im Stau fest.

Jemand hatte uns empfohlen, hinter Saint-Tropez die Küstenstraße D559 zu nehmen, die am Col du Cap Roux vorbeiführt, einer roten Bergkette, die mich an die Red Rocks in den USA erinnerte. Die Straße war großartig und bereitete ein echtes Fahrvergnügen und der Sonnenuntergang tauchte die Umgebung in ein wunderschönes Licht.

Cannes bei Nacht ist ein absolutes Muss – die vielen Casinos mit ihren Neonlichtern und die von funkelnden Lichtern gesäumte Küstenstraße nach Golfe-Juan, wo wir übernachteten.

Tag 7 und 8 Von Golfe-Juan nach Cannes und von Gréolières les Neiges nach Golfe-Juan

Da Loris Maschine ja in der Inspektion war, nahm ich sie hinten auf meine und wir fuhren die D2-Straße zum Wintersportort Gréolières les Neiges hinauf. Die Straße war super. Es gab immer wieder fantastische Panoramablicke und hohe, kurvige Steilwände … Wir kamen an einem Filmteam vorbei, das gerade einen Werbespot für Ferrari drehte. Man sieht also, diese Straßen sind wirklich filmreif!

Tag 9 – Von Golfe-Juan nach San Remo

Auf dem Weg über Monaco nach Italien nahmen wir die Route de la Revère oberhalb von Èze und anschließend die Route de la Tête de Chien, um immer wieder neue Ausblicke auf das Mittelmeer und Monaco genießen zu können … Das war wirklich eine unserer allerbesten Fahrten und Aussichten.

In Italien waren die Stimmung und der Verkehr hektischer, dennoch kam uns die Atmosphäre entspannter und lockerer vor als in England. Vielleicht kam mir das auch nur wegen der Sonne so vor.

Nach nur fünf Minuten waren wir allerdings wieder im London-Modus und zwängten uns gemeinsam mit den einheimischen Bikern mit unseren Maschinen durch extrem enge Felsspalten.

Triumph road trip Monaco
Route de la Tête de Chien, Monaco

Tag 10 – Von San Remo nach Nervi bei Genua

Trotz des Andrangs in San Remo gönnten wir uns am Morgen auf dem Marktplatz Kaffee und Kuchen.

Dann nahmen wir die sehr pittoreske Küstenstraße und überlegten, in einem Hotel in Genua zu übernachten, denn die Stadt würde bestimmt cool sein. Nachdem uns der Trubel in Marseille und San Remo aber gereicht hatte, beschlossen wir, noch ein Stück weiter zu fahren, und fanden schließlich eine hübsche Übernachtungsmöglichkeit in Nervi.

Tag 11 – Von Nervi nach Argegno, Comer See

Die Fahrt durch Norditalien Richtung Como war relativ unspektakulär im Vergleich zu dem, was wir bislang gesehen hatten. Die Straßen waren zwar gut zu fahren, aber die Landschaft war zum Großteil eben und wenig beeindruckend. Wir waren eben schon verwöhnt.

Wir fuhren durch Mailand, was ziemlich verrückt war, aber irgendwie auch unspektakulär, und eine Stunde später eröffnete sich uns dann ein atemberaubender Panoramablick auf die Spitze des Comer Sees.

Lake Como motorcycle trip
Am Ufer des Comer Sees entlang

Tag 12 – Von Argegno nach Lugano, Schweiz

Eigentlich wollten wir über einen der Bergpässe in der Schweiz fahren, aber Lori kam in einer der steilen Haarnadelkurven mit der Schwerkraft in Berührung. Das hinterließ zwar Schrammen an ihrem Ego, aber nicht an der Maschine, und deshalb beschlossen wir, noch ein wenig den Comer See zu erkunden.

Tag 13 – Von Argegno zurück nach Mailand (Stadtrand)

Wir fuhren zur oben am See gelegenen Villa del Balbianello, einer wirklich bezaubernden Villa, die einst von Mönchen geführt wurde. Zu unserer großen Überraschung erfuhren wir, dass hier der Bond-Film Casino Royale sowie Star Wars gedreht wurden.

Anschließend ging es wieder hinunter, durch Como hindurch und dann die kurvenreichen Seesträßchen hoch nach Bellagio. Gleich am Ortseingang befindet sich ein großer, weitläufiger und zeltartiger Abstellplatz für Motorräder, der nichts kostet.

Da wir erst am späten Nachmittag von Como aufgebrochen waren, kamen wir in den Außenbezirken von Mailand in die Feierabend-Rushhour und standen ca. 25 km im Stau … So mussten wir dann die Autobahnen um Mailand im Dunkeln fahren, was ein wenig anstrengend war.

Argegno motorcycle trip
Villa The Dreamers in Argegno

Tag 14 – Von Mailand nach Oulx

Wir kamen den Alpen immer näher und plötzlich rannte ein Wildschwein direkt vor mir über die Straße. Das war cool. Es wurde bereits wieder ziemlich spät, also beschlossen wir, die Alpen erst morgen anzugehen, und machten stattdessen in einem hübschen Hotel an der italienisch-französischen Grenze halt, wo wir es uns bei einem Glas einheimischem Rotwein und einem Teller kostenloser Vorspeisen gutgehen ließen.

Tag 15 – Von Oulx nach Bollène, nördlich von Avignon

Wir nahmen die N94, D994 und D94 – alles tolle Strecken: schnell, kurvenreich und ein Riesenspaß, beeindruckende Landschaft, aber mittlerweile war das für uns schon fast selbstverständlich.

Tag 16 – Von Bollène nach Florac

Für Mitte Oktober hatten wir Glück mit dem Wetter. Aber wie sollte es auch anders sein, als wir die Alpen passierten, ermahnte uns Sturmtief Brian, nicht zu selbstgefällig zu sein.

Wir fuhren auf einer Höhenpiste durch den Nebel Richtung Nationalpark Cevennen. Die einzigen Menschen, die wir zu Gesicht bekamen, war ein älteres Ehepaar, das Kastanien sammelte, und als wir auf der schmalen, rutschigen Straße vorsichtig an ihnen vorbeifuhren, sahen sie uns an, als ob wir verrückt wären. Da hatten sie wohl recht.

Unsere regenfeste Kleidung nutzte uns bei dem Sturm gar nichts. Zum Glück fanden wir ein Hotel mit einem kleinen Heizofen – ein echter Segen für uns und unsere klitschnasse Ausrüstung.

Storm Brian in Biarritz, France. Motorcycle tour on Triumph Street Twins
Sturmtief Brian in Biarritz

Tag 17 – Von Florac nach Castelnaudary

Auch heute würde uns Sturmtief Brian wieder Gesellschaft leisten. Wir beschlossen trotzdem, aufzubrechen, denn es gab noch so viel, was wir sehen wollten.

Wir verließen also Florac und fuhren im Regen eine steile, kurvige Bergstraße (D16) hinauf, die nicht enden wollte. Als ich gerade dachte, dass wir hier ganz schön auf Risiko spielten, ging der Berg in eine Ebene über, die mich an die North Yorkshire Moors erinnerte. Ich komme aus der Nähe von dort und fühlte mich irgendwie zu Hause. Als wir dann aber die Westseite des Nationalparks Cevennen erreichten, glich die Landschaft nicht mehr Yorkshire, sondern kam uns vor wie ein fremder Planet.

Auf der Straße Richtung Le Rozier ging die Landschaft plötzlich in eine einzigartige, atemberaubende Schlucht über mit sonderbaren, riesigen Felsnasen zu beiden Seiten. Der verhangene Himmel verstärkte noch das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein. Nach einem weiteren anstrengenden Tag im Regen war dies eine willkommene Abwechslung, aber mittlerweile hatten wir uns auch irgendwie daran gewöhnt und begannen, den Sturm mit anderen Augen zu sehen.

Storm Brian
Sturmtief Brian, Blick vom Hotel Lutetia in Lourdes

Tag 18 – Von Castelnaudary nach Lourdes

Es regnet immer noch … Zum Glück fanden wir eine tolle Bäckerei in der Nähe, wo sich unsere Stimmung bei Kaffee und Kuchen aufhellte. Irgendwie fühlte es sich ein bisschen an wie eine Belastungsprobe, aber als wir weiterfuhren und sich in der Ferne spektakuläre Blicke auf die Pyrenäen eröffneten, trieb uns das weiter.

Tag 19 – Von Lourdes über Biarritz nach San Sebastian

Da das Wetter nicht so gut aussah, fuhren wir Richtung Biarritz. Wir kamen der Küste immer näher und der Anblick des stürmischen Atlantik entschädigte uns für alle bisherigen Anstrengungen.

Da wir die Gipfel des östlichen Teils der französischen Pyrenäen, die Picos, unter der Annahme ausgespart hatten, dass wir diese zeitlich nicht schaffen würden, hatten wir nun etwas Zeit übrig und beschlossen, sie doch anzugehen. Also beeilten wir uns, nach San Sebastian zu kommen.

Tag 20 – Von San Sebastian nach Fuente Dé (Picos de Europa)

Ein Regenbogen am Himmel trieb uns weiter. Wir waren uns allerdings bewusst, dass es im Endeffekt ein Umweg von 350 km sein würde. Die 250 km lange Fahrt verging wie im Flug, die Straßen waren der Hammer und wurden immer besser, je näher wie den Picos kamen. Sogar die Sonne kam wieder raus. Von hieraus ging es dann zurück zur Fähre und nach Hause ins verregnete England!

Fuente Dé, Picos, Spanien

7 Dinge, die Sie beachten sollten

  • Die Bikes sollten unbedingt beheizte Handgriffe haben.
  • Nur die wichtigsten Dinge mit in die Kabine auf der Fähre nehmen. Alles andere kann man auf dem Motorrad lassen – der Laderaum wird während der Fahrt abgeschlossen.
  • Vorsicht beim Befahren der Fähre, denn auf der Rampe können Metallteile liegen und im Laderaum befinden sich auf dem Boden Ketten zum Verzurren der Motorräder.
  • Motorräder besser nicht im Stadtzentrum abstellen, es sei denn man ist gewillt, für einen bewachten Parkplatz zu zahlen (vor allem in Italien). Möglichst nicht zur Rushhour in die Stadt fahren.
  • An einigen kleineren, abgelegeneren Tankstellen kann man nur mit Bargeld zahlen.
  • Trockene Taschen mitnehmen und die Sachen, die trocken bleiben sollen, unbedingt darin verstauen. (Das hätte ich mal mit meinem Zigarettenpapier machen sollen!). Gepäcknetze eignen sich hervorragend zum Verstauen von Gegenständen, die man schnell zur Hand haben möchte, und um Dinge zu trocknen, sobald die Sonne wieder rauskommt.
  • Nicht zu viel Kleidung mitnehmen, aber unbedingt mehr Socken einpacken, als man es normalerweise tun würde, denn man braucht sie.

Waren auch Sie mit Ihren Bikes unterwegs? Schicken Sie FTR Ihre Fotos und Ihr Reisetagebuch (egal wie ausführlich) und wir werden sie auf For the Ride veröffentlichen.